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Zulassungssituation Getreidebeizen - gibt es Alternativen zur Beize?

Der voranschreitende Wirkstoffwegfall betrifft auch die Getreidebeizen. Gab es 2012 noch 19 verschiedene Wirkstoffe in Getreidebeizmitteln, sind es 2021 nur noch 10 Wirkstoffe, darunter sind bereits die beiden neu hinzugekommenen Carboxamidwirkstoffe Fluxapyroxad und Sedaxane.

Bereits im Februar 2021 ist Triadimenol (Baytan 3) mit dem Ende der Aufbrauchfrist weggefallen. Als nächstes folgt Cyproconazol, davon ist die Gerstenbeize Zardex G betroffen. Für Zardex endet der Abverkauf im November 2021, die Aufbrauchfrist geht bis November 2022. Zardex G wird bereits nicht mehr produziert. Weitere Wirkstoffe stehen auf dem Prüfstand. Die bewährte Universalbeize EfA mit dem Wirkstoff Triazoxid, wird zum 30.09.2021 widerrufen. Die Abverkaufsfrist läuft bis zum 30.03.2022, die Aufbrauchfrist bis zum 30.03.2023.

Alternative Beizmittel und Verfahren – interessant nicht nur im Ökolandbau

Versuche mit künstlicher Inokulation

Seit 2013 führen wir im Pflanzenschutzamt Niedersachsen Exaktversuche im Freiland zur Bekämpfung von Steinbrand (Tilletia caries) mit künstlicher Inokulation durch. Hier prüfen wir sowohl chemische als auch biologische Mittel sowie physikalische Verfahren auf ihre Wirksamkeit.

Elektronische Saatgutbehandlung

Die Elektronenbeizung ist ein physikalisches Verfahren, bei dem die Krankheitserreger am Saatgut mittels Elektronenbeschuß abgetötet werden, die Keimfähigkeit jedoch erhalten bleibt. Bodenbürtige Erreger werden nicht erfaßt, da die Wirkung auf den Beizvorgang beschränkt bleibt. Flugbrand kann ebenfalls nicht bekämpft werden, da der Erreger tief im Embryo sitzt und dieser beim Elektronenbeschuß zerstört werden würde. Im Pflanzenschutzamt Niedersachsen werden seit 2013 Versuche mit Elektronenbeizung gegen den Weizensteinbrand im Freiland durchgeführt. Die Elektronenbeizung zeigt gegen den Steinbrand eine gute Wirkung (99% WG) (Grafik 1). In Gewächshausversuchen zeigt die Elektronenbeizung gegen den Schneeschimmel (Microdochium nivale) und Fusarium culmorum auch hohe Wirkungsgrade (97%). (Grafik 2).

Biologische Saatgutbeizen

Zur Anwendung im ökologischen und konventionellen Anbau verfügen Cerall und Cedomon über eine Pflanzenschutzmittelzulassung. Deren aktive Substanzen sind Bodenbakterien der Gattung Pseudomonas. Cerall ist eine wasserbasierte anwendungsfertige Bakteriensuspension aus Pseudomonas chlororaphis - Stämmen, die an das Bodenleben im Wurzelraum angepaßt sind. Für Gerste und Dinkel ist mit Cedomon eine rapsölbasierte Pseudomonas-Formulierung erhältlich, die gegen Streifenkrankheit, Netzflecken und Fusarium sowie im Dinkel gegen Steinbrand zugelassen ist.

Das Auftreten von Weizensteinbrand kann im ökologischen Landbau mit den Präparaten Cerall und Tillecur bekämpft werden. Das Pflanzenstärkungsmittel Tillecur besteht vorwiegend aus Gelbsenfmehl und kann trocken oder feucht angewendet werden. Aufgrund eigener Erfahrungen empfehlen wir die trockene Anbeizung.

Cerall ist in Weizen gegen Steinbrand, Fusarium culmorum und Septoria nodorum sowie in Roggen und Triticale gegen Fusarium culmorum zugelassen. In Grafik 1 werden die Wirkungsgrade der Beizmittel gegen Steinbrand in den Jahren 2013, 2016-2021 dargestellt. Beide biologischen Mittel zeigten gute Wirkungen gegen den Steinbrand, wobei die Wirkungsgrade bei Tillecur (99 % WG) höher lagen als bei Cerall und das Niveau der chemischen Vergleichsmittel erreichten.

Thermische Beizung

Weitere alternative Verfahren wie z.B. die thermische Beizung, die wir derzeit prüfen, zeigen bereits erste vielversprechende Ergebnisse. Bei der thermischen Beizung wird das Saatgut mit aktivem Dampf hygienisiert, wobei die Keimfähigkeit beibehalten wird.

Die thermische Behandlung erzielte in unseren Versuchen bisher hohe Wirkungsgrade gegen den Weizensteinbrand. (s Grafik 1).

Da mit weiteren Wirkstoffverlusten auch bei den Beizmitteln gerechnet werden muss, sollten diese interessanten biologischen und physikalischen Alternativen unbedingt in Betracht gezogen werden. Weitere Versuche dazu sind geplant.

 

 

 

Kontakte

Petra Henze
Dipl.-Ing.
Petra Henze

Mykologie und abiotische Schadursachen

0511 4005-2439

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  petra.henze~lwk-niedersachsen.de


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