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Erdmandelgras: erkennen - vorbeugen - regulieren

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Der Artikel behandelt die Problematik der invasiven Erdmandelgras-Arten Cyperus esculentus und Cyperus rotundus in der niedersächsischen Landwirtschaft. Diese Pflanzen breiten sich durch widerstandsfähige Wurzelknöllchen, Rhizome und Samen aus, was ihre Bekämpfung erschwert. Prävention, Maschinenhygiene und eine langfristige Strategie sind entscheidend, um die Verbreitung zu kontrollieren. Herkömmliche Maßnahmen mit Herbiziden zeigen wenig Erfolg, da die Knöllchen tief im Boden liegen. Mechanische und chemische Bekämpfung nach der Ernte sowie die Nutzung konkurrenzstarker Kulturen und eine angepasste Fruchtfolge sind empfohlene Strategien.

Cyperus esculentus/Cyperus rotundus

Beide invasiven Erdmandelgras-Arten entwickeln sich zu einem
ernstzunehmenden Problem für die niedersächsische Landwirtschaft.

Die multiplen Vermehrungsstrategien über Erdmandeln (widerstandsfähige Wurzelknöllchen), Rhizome und Samen machen die Bekämpfung äußerst schwierig, sowie zeit- und kostenintensiv. Prävention und ein frühes Handeln sind entscheidend, um die Ausbreitung einzudämmen und massive Ernteausfälle zu vermeiden. Beide Cyperus-Arten sind wärme-liebende Pflanzen aus der Familie der Sauergräser, kommen ursprünglich aus Ostafrika und bedrohen vor allem Sommerkulturen und Hackfrüchte wie Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse sowie Dauerkulturen. Die Wuchshöhe der Erdmandelgräser beträgt 0,2 - 1m, die Blätter sind
V-förmig, hellgrün und die Stängel dreikantig. Die Verbreitung erfolgt vorwiegend vegetativ über unterirdische Rhizome und Knollen; zusätzlich ist aber auch eine Verbreitung durch Samen möglich. Die Blüte findet von Juli bis September statt. Das Erdmandelgras bildet gelbliche Blütenstände, wohingegen das Knollige Cyperngras rötlich blüht und deutlich größere Mandeln ausprägt. 
Der Hauptverbreitungsweg der Cyperus-Arten ist die Erdmandel selbst, da deren Verschleppung vor allem in anhaftender Erde als „blinder Passagier“ über Bodenbearbeitungs- und Erntemaschinen sowie Erntegut auf unbelastete Flächen erfolgt. Zudem kann der Besatz von Mandeln in geernteten Wurzel- und Knollenfrüchten (Pflanzgut) zur weiteren Verschleppung führen. Das Ausbaggern von Gräben, Überschwemmungen oder Erdaushübe (z.B. Südlink) können ebenfalls zur Kontamination unbelasteter Flächen führen. Obwohl Herbizide (auch Glyphosate) die oberirdischen Teile des Sauergrases kurzfristig zurückdrängen können, bleibt die Wirkung auf die tief im Boden sitzenden Mandeln unbefriedigend, da der Wirkstoff nicht ausreichend in diese Speicherorgane abgeleitet wird.

Jahreszyklus Erdmandelgras
Jahreszyklus ErdmandelgrasSarah Kempe

Maschinen- und Betriebshygiene

Die Verhinderung der weiteren Verbreitung von Erdmandelgras beginnt bei der Betriebshygiene. Da Mandeln und befallene Erde hauptsächlich durch Maschinen verschleppt werden, ist die Maschinenreinigung von größter Bedeutung: Reinigen Sie alle Bodenbearbeitungs-, Erntemaschinen und wenn möglich auch einfache Geräte sehr gründlich nach jedem Flächenwechsel, vor allem nach befallenen Parzellen. Leichtes abrütteln reicht in nassen Jahren nicht, hier ist eine intensive Reinigung mit Wasser (z.B. Dampfstrahler) zielführender. Eng damit verbunden ist das Flächenmanagement: Befallene Flächen sollten stets zuletzt bearbeitet werden, um eine Verschleppung zu minimieren. Besondere Achtsamkeit ist auch beim Zukauf von Pflanzgut, Zwischenfrucht-saatgut, Erde oder Kompost geboten, um eine Neueinschleppung zu verhindern.

 

Bekämpfungsstrategien

Die Bekämpfung des Erdmandelgrases ist hauptsächlich wegen dreier Faktoren schwierig: Erstens liegen die Knöllchen tief im Boden und sind für die meisten Herbizide unerreichbar. Zweitens sorgt die immense Reproduktionsrate im Sommer dafür, dass sich die Pflanze nach Schwächung sofort regeneriert. Drittens garantiert die mehrjährige Keimfähigkeit der Knöllchen, dass kurzfristige Maßnahmen nicht greifen. Eine bestmögliche Bekämpfung erfordert daher zwingend eine konsequente Strategie, die über mehrere Jahre hinweg verfolgt werden muss!

Kontrollieren Sie Ihre Felder, besonders Fahrgassen und Randbereiche, regelmäßig auf neuen Befall und markieren Sie diesen in der Schlagkartei oder per GPS. Die Erfahrung zeigt, dass die bisher gängigen Bekämpfungsmaßnahmen die Ausbreitung des Erdmandelgrases nicht nachhaltig stoppen konnten. Einzelstrategien mit Herbiziden oder zusätzliche Hackdurchgänge zeigen keine nachhaltige Wirkung. Das Anhaften von Herbiziden ist aufgrund der wachsartigen Blattoberfläche stark eingeschränkt. Selbst geschwächtes Erdmandelgras regeneriert sich schnell im Bestand und neben der Samenbildung entwickeln sich vegetativ eine Vielzahl von neuen Mandeln, um im Folgejahr noch stärker aufzutreten.

 

Geringer Befall (Einzelpflanzen)

Erdmandelgras Kartoffel
Erdmandelgras KartoffelSarah Kempe

  • Vor der Ernte großflächig ausgraben. Pflanzen samt Wurzeln und Erde tief (60-100 cm +/-) und mit großem Radius um die Pflanze herum aus dem Boden entfernen, sammeln und entsorgen (keinesfalls auf dem Kompost), um sicher-zustellen, dass kein Pflanzenteil im Boden verbleibt.

Mittlerer Befall (Nester)

Erdmandelgras Kartoffel_2
Erdmandelgras Kartoffel_2Tobias Jöring

  • Nester markieren und die Bodenbearbeitung und Haupternte zuallerletzt durchführen. Die Nester gesondert roden und anschließend die Erntegeräte auf dem Feld gründlich reinigen (Maschinenhygiene überall dort, wo Erde anhaftet (Reifen, Förderbändern etc.), um eine weitere Verschleppung zu verhindern.

Starker Befall (flächig)

Erdmandelgras in Mais
Erdmandelgras in MaisTobias Jöring

  • Aufgrund der Verbreitungsgefahr sollte das Roden unterlassen werden. Die Kultur samt Erdmandelgras verbleibt im Boden. Die Anwendung von Glyphosat/Kyleo ist möglich, um den Besatz zu unterdrücken. Mehrjährige Schwarzbrache ist längerfristig hilfreich.

 

 

 

Stellschrauben

  1. Befallsnester identifizieren und regelmäßig kontrollieren, Erde entsorgen
  2. Intensive Maschinenhygiene
  3. Verschleppung verhindern von Erntegut (z.B. Kartoffel, Zuckerrübe) das Mandeln enthält
  4. Verschleppung verhindern von mit Mandeln verseuchter Erde
  5. Frühzeitige Bekämpfung und langfristige Maßnahmen planen (Fruchtfolge, Schwarzbrache)
  6. Stoppelbearbeitung mit Glyphosat

Angesichts der Tatsache, dass die Bildung neuer Erdmandeln mit fortschreitender Abreife der Erdmandel-pflanzen stark zunimmt, ist eine Durchführung mechanischer und chemischer Bekämpfungsmaßnahmen kurz nach der Getreideernte entscheidend.

Chemisch ist eine Behandlung auf der Stoppel mit Glyphosat und der Beigabe von SSA möglich. Zusätzlich sollte vorher (max.12 h) in einem separaten Schritt Öl als Formulierungshilfstoff (z.B. Mero) appliziert werden, um eine bessere Wirkstoffaufnahme zu gewährleisten. Diese Maßnahme kann den Austrieb im Folgejahr nicht sicher verhindern, da die Wirkung auf die Mandeln im Boden gering ist, führt jedoch zu einer spürbaren Minderung.

Eine nachfolgende konkurrenzstarke Zwischenfrucht verbessert diesen Bekämpfungserfolg.

Konkurrenzstarke Kulturen in der Fruchtfolge, wie beispielsweise engstehender Mais oder Hanf, schwächen die Neubildung von Erdmandeln. Flaches Fräsen (max. 10 cm Tiefe) und mehrmaliges Hacken helfen, die Knollen und damit den Neuaustrieb zu schwächen. Tiefes Pflügen ist kontraproduktiv, da die Knollen auch in tieferen Bodenschichten nicht absterben.

Mais

Im Maisanbau sind die besten Ergebnisse zu erzielen, z. B. mit speziellen Vorauflauf-Herbiziden wie Adengo und Nachauflauf-Produkten wie MaisTer power oder Callisto im Splitting-Verfahren; bei Verfügbarkeit Permit mit einbauen (Splitting)

Zuckerrüben

In toleranten Sorten kann Conviso One teilwirksam sein

Schwarzbrache

Regelmäßige Bodenbearbeitung auf Schwarzbrachen oder in Kombination mit Stoppelbearbeitung nach der Ernte kann den Bestand schwächen

Getreide

Wintergerste beschattet am intensivsten und räumt im nächsten Sommer als erstes. Sommergerste beschattet auch gut und bietet zusätzlich die Möglichkeit der intensiven mechanischen Bearbeitung vor der Saat. Problematisch ist aber eine potentielle Erdmandelgrasvermehrungen in den Fahrgassen von Getreidefrüchten, da diese nicht ausreichend durch die Kultur beschattet sind. Im Getreideanbau gibt es keine nachhaltig wirksamen Herbizide, die eine Mandelneubildung verhindern.

 

FAZIT

Erdmandelgras ist ein Alarmzeichen auf dem Acker. Die bisherige Erfahrung lehrt uns, dass die Bekämpfung von Erdmandelgras eine äußerst langwierige und hartnäckige Herausforderung darstellt. Eine konsequente Kombination aus Hygiene, Fruchtfolge und gezielter mechanischer/chemischer Kontrolle über mehrere Jahre hinweg kann den Befallsdruck senken. Sofort beim ersten Fund ist Handeln angesagt!

 

Weitere Informationen

Erdmandelgras: Wachsendes Problem für die Landwirtschaft

www.lwk-niedersachsen.de

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