Pflanzenschutzdienst

Geräte prüfen, Abdrift vermeiden und Pflanzenschutzmittel gezielt einsetzen

Webcode: 01044130
Stand: 08.07.2026

Eine wirksame Pflanzenschutzmaßnahme beruht nicht allein auf modernen Geräten. Entscheidend sind auch die richtige Anwendungstechnik, regelmäßige Gerätekontrollen und die sachgerechte Einstellung der Technik. Nur wenn alle Faktoren zusammenspielen, lassen sich Pflanzenschutzmittel zielgerichtet einsetzen und gleichzeitig Umwelt, Gewässer und Nichtzielorganismen schützen.

Grüner Traktor mit gelbem Anhänger steht auf einem Hof vor einem Gebäude mit rotem Ziegeldach.
Schlepper mit SpritzeAndreas Teichler

Gute fachliche Praxis bleibt entscheidend

Die Grundlage jeder Pflanzenschutzmaßnahme ist die gute fachliche Praxis. Maßnahmen dürfen nur erfolgen, wenn sie nach dem Schadschwellenprinzip erforderlich sind und keine Gefährdung des Naturhaushaltes verursachen. Ziel des Integrierten Pflanzenschutzes ist es, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß zu begrenzen und gleichzeitig Ertrag und Qualität der Kultur zu sichern.

Dabei hat der Anwender den größten Einfluss auf den Behandlungserfolg. Der optimale Anwendungszeitpunkt ist häufig wichtiger als technische Zusatzausstattungen am Gerät. Pflanzenschutzmittel sollten vorzugsweise in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden ausgebracht werden. Starke Sonneneinstrahlung, Temperaturen über 25 °C sowie geringe Luftfeuchten erhöhen das Risiko von Wirkungsverlusten und Abdrift.

Regelmäßige Gerätekontrollen sind Pflicht

Um eine sichere und präzise Ausbringung zu gewährleisten, müssen Pflanzenschutzgeräte regelmäßig durch anerkannte Kontrollwerkstätten geprüft werden. Das Kontrollintervall beträgt sechs Kalenderhalbjahre. Die Prüfpflicht betrifft inzwischen zahlreiche Gerätearten, darunter Feldspritzen, Sprühgeräte, Beizgeräte, Granulatstreuer und Streichgeräte.

Im Rahmen der Kontrolle werden unter anderem folgende Bereiche überprüft:
technische Sicherheit des Gerätes,
Leistung der Pumpe,
Funktion des Rührwerks,
Dichtheit von Behälter, Leitungen und Armaturen,
Zustand des Gestänges,
Filter und Düsen,
Querverteilung sowie Düsenausstoß.

Besonders bei Geräten mit Mehrfachdüsenstöcken müssen sämtliche verwendeten Düsensätze kontrolliert werden. Alle eingesetzten Düsen müssen hinsichtlich Bauart, Größe, Material und Hersteller identisch sein. Ausnahmen gelten lediglich für spezielle Randdüsen oder technisch notwendige Sonderdüsen. Eine Übersicht der anerkannten Kontrollwerkstätten in Niedersachsen finden Sie bei uns auf der Internetseite www.pflanzenschutzdienst-niedersachsen.de unter dem Webcode 01037538.   

Checkliste Frühjahr
Checkliste FrühjahrHenrik Volker

Abbildung 1: Vorbereitung auf die Geräteprüfung

Eigene Funktionsprüfung vor Saisonbeginn

Abbildung 1 enthält eine Checkliste zur Vorbereitung auf die Gerätekontrolle. Auch wenn nach der Winterpause keine amtliche Geräteprüfung ansteht, sollte das Pflanzenschutzgerät vor Saisonbeginn im Rahmen der guten fachlichen Praxis gründlich überprüft werden.

Für die Funktionskontrolle empfiehlt sich eine Probefahrt auf einer noch nicht bestellten Fläche. Dabei sollte insbesondere auf ein gleichmäßiges Spritzbild geachtet werden. Schalten Sie alle Teilbreiten nacheinander aus und wieder ein und beobachten Sie dabei das Manometer. Die Druckschwankungen sollten maximal 10 % des eingestellten Arbeitsdruckes betragen. Zudem ist auf einen ruhigen Lauf der Pumpe zu achten. Wiederkehrende Pulsationen von mehr als 5 % des Arbeitsdruckes können auf technische Mängel hinweisen und sollten durch eine Fachwerkstatt überprüft werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, mindestens eine Düse je Teilbreite auszulitern. Die Soll-Ausstoßmenge kann den Herstellerangaben entnommen werden. Liegen diese nicht vor, kann eine einfache Faustformel zur Orientierung herangezogen werden: Bei einem Arbeitsdruck von 3 bar entspricht die Ausstoßmenge in Litern pro Minute ungefähr dem Vierfachen der Düsenkalibergröße.
Beispielsweise ergibt sich für eine blaue Injektordüse der Größe 03 eine theoretische Ausstoßmenge von 1,2 l/min (0,3 × 4 = 1,2). Dieser Wert sollte bei der Messung im Auffangbehälter annähernd erreicht werden. Größere Abweichungen können auf Verschleiß oder Beschädigungen der Düse hindeuten und sollten vor dem nächsten Einsatz behoben werden.

Gestängehöhe beeinflusst die Abdrift

Eine häufig unterschätzte Ursache für Abdrift ist die falsche Gestängehöhe. Bei Düsen mit einem Spritzwinkel von 110 bzw. 120 Grad und einem Düsenabstand von 50 cm beträgt die empfohlene Gestängehöhe in der Regel 50 cm über dem Bestand. Ein unnötig hoch geführtes Gestänge vergrößert die Abdrift deutlich und verschlechtert gleichzeitig die Zielgenauigkeit der Behandlung.

Randdüsen ermöglichen randscharfes Spritzen

Am Feldrand kommt den Randdüsen eine besondere Bedeutung zu. Herkömmliche Flachstrahldüsen behandeln aufgrund ihrer Spritzcharakteristik immer auch Bereiche außerhalb der eigentlichen Zielfläche. Randdüsen reduzieren diesen Austrag deutlich und ermöglichen eine präzise Behandlung bis an die Feldgrenze. Dadurch können unbeabsichtigte Anwendungen auf Nachbarflächen, Wegen oder Nichtkulturland vermieden und gleichzeitig die vorgeschriebenen Abdriftminderungsklassen eingehalten werden.

Randdüse
RanddüseHenrik Volker

Abbildung 2: Darstellung Randdüsen verändert nach LALF MV

PWM-Systeme: Chancen und Anforderungen

Mit der Verbreitung von Pulsweitenmodulationssystemen (PWM) entstehen neue Möglichkeiten für eine präzisere Ausbringung. Durch ein schnelles Öffnen und Schließen der Düsen kann die Ausbringmenge an die Fahrgeschwindigkeit angepasst werden, ohne die Tropfengröße wesentlich zu verändern. Dies bietet insbesondere bei Kurvenfahrten und variablen Aufwandmengen Vorteile. Da PWM-Systeme jedoch die Abdrifteigenschaften beeinflussen können, dürfen nur vom Julius Kühn-Institut (JKI) anerkannte Systeme eingesetzt werden. Zudem kann sich die anrechenbare Abdriftminderungsklasse einer Düse in Kombination mit PWM-Technik verringern.

Abdriftmindernde Technik richtig einsetzen

Zum Schutz von Gewässern und Saumstrukturen sind die im Pflanzenschutzrecht festgelegten Anwendungsbestimmungen einzuhalten. Diese werden im Rahmen der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels produktspezifisch durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) festgelegt.

Anwendungsbestimmungen zum Gewässer- und Saumschutz erfordern häufig den Einsatz abdriftmindernder Technik, insbesondere spezieller Düsen, entweder im Randbereich oder auf der gesamten Behandlungsfläche. Bei Flächenkulturen ist bei der Verwendung abdriftmindernder Düsen darauf zu achten, dass der Spritzdruck gegenüber dem üblichen Arbeitsdruck auf der Fläche entsprechend reduziert wird. Eine Übersicht der anerkannten Düsen sowie der jeweiligen Verwendungsbestimmungen (reduzierter Druck in Abhängigkeit der max. Fahrgeschwindigkeit von 8 km/h) bietet das vom Julius Kühn-Institut (JKI) geführte Verzeichnis verlustmindernder Geräte: https://daps.julius-kuehn.de/komplettVerlustminderung/suche

Zur besseren Orientierung stellt das JKI zudem Universaltabellen für Flachstrahldüsen der Größen 02 bis 06 zur Verfügung. Diese Tabellen zeigen, in welchen Druckbereichen die einzelnen Düsen eingesetzt werden müssen, um die Abdriftminderungsklassen von 50 %, 75 % oder 90 % zu erreichen. Darüber hinaus können den Tabellen Angaben zum Wasseraufwand (l/ha) sowie zur Fahrgeschwindigkeit (km/h) entnommen werden.

In Raumkulturen sind neben dem Spritzdruck zusätzlich die Gebläseeinstellungen zu berücksichtigen. Gegebenenfalls ist die Luftunterstützung auf der dem Gewässer zugewandten Seite zu deaktivieren, um die geforderte Abdriftminderung zu gewährleisten.

Unabhängig von den pflanzenschutzrechtlichen Vorgaben sind darüber hinaus weitere einschlägige rechtliche Bestimmungen einzuhalten. Hierzu zählen insbesondere das Niedersächsische Wassergesetz sowie die Konditionalitäten-Verordnung in ihrer jeweils geltenden Fassung.

Moderne Pflanzenschutzgeräte können eine präzise, wirksame und umweltschonende Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ermöglichen. Voraussetzung dafür sind jedoch regelmäßige Gerätekontrollen, korrekt ausgewählte Düsen, eine fachgerechte Einstellung der Technik und die Einhaltung der guten fachlichen Praxis. Letztlich entscheidet vor allem der Anwender durch die richtige Einstellung des Gerätes und die Wahl des optimalen Anwendungszeitpunktes über Behandlungserfolg und Umweltverträglichkeit.