Pflanzenschutzdienst

Getreide Herbstbestellung 2026 – Tipps für eine erfolgreiche Aussaat

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Der optimale Start für Getreide im Herbst wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst, sodass eine gute Planung und angepasste Maßnahmen den Grundstein für einen erfolgreichen Getreideanbau legen. Insbesondere der in diesem Jahr letztmalige Einsatz von Flufenacet erschwert zukünftig die Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz, Windhalm und anderen Ungräsern. Eine an den Standort und die Vorfrucht abgestimmte Bodenbearbeitung, richtige Saattiefen, eine angepasste Sortenwahl und richtig gewählte Saatzeitpunkte sind dabei von besonderer Bedeutung, um den Herausforderungen gewachsen zu sein. Nicht zuletzt werden die genannten Maßnahmen dabei von der Witterung bestimmt, die in den vergangenen Jahren häufig zu besonderen Herausforderungen bei der Herbstbestellung geführt hat.

Fruchtfolge planen:

Bevor die Arbeiten auf dem Feld beginnen, bedarf es einer sorgfältigen Planung, um kulturspezifische Ansprüche bestmöglich bei der Aussaat zu berücksichtigen. Die Fruchtfolge ist hierbei ein wichtiger Parameter, um Fruchtfolgekrankheiten über pflanzenbauliche Maßnahmen einzudämmen und um zunehmenden Resistenzproblemen im Bereich der Ungrasbekämpfung zu entgegnen. Wird beispielsweise in engen Getreidefruchtfolgen die Entwicklung der Wurzel durch den Erreger der Schwarzbeinigkeit eingeschränkt, kann dies hohe Ertragsverluste nach sich ziehen. Das geschwächte Wurzelsystem kann zu einer verminderten Nährstoffaufnahme aus dem Boden und somit zu einem erhöhten Düngebedarf führen. Zudem steigt der Pflanzenschutzaufwand bei hohen Getreide-Anteilen in der Fruchtfolge, da sich angepasste Unkrautarten und Krankheiten im Bestand besser etablieren können. Im Bereich der Ungräser ist eine Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz, Weidelgräsern und Trespen insbesondere über die Fruchtfolge besonders effizient (siehe Abb. 1). Je schwächer ein Standort ist, desto größer ist die Bedeutung einer angepassten Fruchtfolge. Ein Wechsel von Halmfrucht zu Blattfrucht bzw. Sommerung zu Winterung kann somit deutlich höhere Erträge der Folgefrüchte erzielen. Dies zeigt sich insbesondere bei dem Anbau von Getreide nach Vorfrüchten wie Winterraps, Zuckerrübe oder Silomais. Weitere Parameter sind die Berücksichtigung von Anbaupausen zwischen Kulturen gleicher Pflanzenfamilien, sowie die Integration von Zwischenfrüchten. Entscheidenden Einfluss auf die betriebliche Fruchtfolgeplanung haben die jeweiligen Verwertungs- und Absatzmöglichkeiten. Vor allem in tierhaltenden Betrieben mit hohen Anforderungen an die Futterproduktion sind die Möglichkeiten der sinnvollen und betriebsintegrierten Furchtfolgeerweiterung häufig begrenzt. Ein Flächentausch mit Ackerbaubetrieben oder der Anbau von Getreide-GPS in Kombination mit Zweitfrüchten sind gute Alternativen, um dennoch einen Fruchtwechsel zu vollziehen.

Bodenbearbeitung/Saatbettbereitung

Ungleichmäßiger Feldaufgang bei Winterraps durch schlecht verteiltes Stroh nach der Getreideernte
Ungleichmäßiger Feldaufgang bei Winterraps durch schlecht verteiltes Stroh nach der GetreideernteKai-Hendrik Howind

Mit der Bodenbearbeitung nach der Ernte der Hauptfrucht wird der Grundstein für eine erfolgreiche Aussaat gelegt. Dabei bestimmt im Wesentlichen die Vorfrucht das weitere Vorgehen. Grundsätzlich ist

bereits bei der Ernte auf eine gute, gleichmäßige Strohverteilung zu achten, insbesondere wenn nach Getreide pfluglos die Folgekultur etabliert werden soll. Vor allem Raps reagiert mit einem ungleichmäßigen Aufgang und verzögerter Jugendentwicklung äußerst empfindlich auf unzureichend verteilte Strohreste (vgl. Abb. 2). Durch eine intensive Stoppelbearbeitung und einer guten Strohverteilung wird zudem eine gleichmäßige Strohrotte unterstützt. Nach Raps sollte zunächst eine sehr flache Bodenbearbeitung mit dem Grubber oder der Scheibenegge erfolgen, um ausgefallene Körner zum Keimen anzuregen. Für noch bessere Keimraten kann hierfür auch ein Mulchgang oder der Strohstriegel angesetzt werden. Dabei muss vermieden werden, dass Körner in tiefere Bodenschichten verlagert werden und in eine Keimruhe („Dormanz“) fallen und in späteren Jahren zu phytosanitären Problemen in den Folgekulturen führen würden. Anschließende mischende Arbeitsgänge zur Bodenbearbeitung bekämpfen dann den aufgelaufenen Ausfallraps. Vor allem durch regionale Hagelereignisse im Juli diesen Jahres wird die Bekämpfung vom Ausfallsraps eine wichtige Bedeutung erlangen! In Fruchtfolgen bei denen Getreide nach Getreide steht ist wiederum aus phytosanitärer Sicht ein Arbeitsgang mit dem Pflug angeraten, da das Ausfallgetreide chemisch nicht aus einer folgenden Getreidekultur beseitigt werden kann. Hierbei ist auf eine gute Rückverfestigung, beispielsweise mit der Packerwalze, zu achten, um den Bodenschluss herzustellen. Dies ist für einen gleichmäßigen Feldaufgang der Folgekultur wichtig und sichert eine gute Nährstoffaufnahme über die Wurzel ab.

Bei der Saatbettbereitung kurz vor der Aussaat ist darauf zu achten, dass ein möglichst feinkrümeliges und gut rückverfestigtes Saatbett erstellt wird, sodass die Saatkörner einen guten Bodenschluss haben und entsprechend zügig auflaufen können. Ein zu feines Saatbett hingegen erhöht die Erosionsgefahr und nach starken Niederschlagsereignissen kann es zu Verschlemmungen und somit zu schlechten Feldaufgängen kommen. Vor allem in Regionen mit schwereren, tonigen Böden kann es sinnvoll sein, vor der Aussaat ein „Scheinsaatbett“ anzulegen. Hierbei wird die Fläche mit einer Drillkombination bearbeitet, ohne dabei eine Aussaat durchzuführen. In Regionen mit einem starken Besatz an Gräsern (zum Beispiel Ackerfuchsschwanz) wird diese Methode häufig eingesetzt, um die Gräser durch das „Scheinsaatbett“ zum Keimen anzuregen. Somit können sie im Anschluss mit der eigentlichen Aussaat mechanisch bekämpft und nachfolgende chemische Bekämpfungsmaßnahmen in ihrer Wirkung deutlich unterstützt werden. Nach der Aussaat kann eine Fläche dann zusätzlich mit einer Walze bearbeitet werden, sodass ein guter Bodenschluss hergestellt wird und zudem größere Erdkluten zerkleinert werden. Somit wird erreicht, dass ein möglichst großer Teil von noch verborgenen Ungrassamen keimt und im Anschluss effektiv bekämpft werden kann. Je feiner das Saatbett hergestellt ist, desto größer ist die Bodenoberfläche, an denen Bodenherbizide wirken können. Hierdurch wird zusätzlich eine Steigerung der Wirksamkeit der Bodenherbizide erreicht, wobei Grenzen zur Vermeidung von Erosion vor allem auf leichten Standorten berücksichtig werden müssen!

Sortenwahl und Aussaatzeitpunkt

Die Sortenwahl und der Aussaatzeitpunkt sind entscheidende Merkmale des Integrierten Pflanzenschutzes, mit deren Hilfe bereits vor der eigentlichen Vegetationsperiode entscheidende Aspekte im Bereich Unkraut- und Krankheitsbekämpfung beeinflusst werden können. Bei der Auswahl der geeigneten Sorte richten sich die Merkmale dabei an die jeweilige Anbauregion, sodass entsprechend der Ertragsergebnisse aus den Landessortenversuchen aus der jeweiligen Region eine Vorauswahl getroffen werden kann. Entscheidend ist es, sich den Züchtungsfortschritt der modernen Sorten zu Nutze zu machen und somit neben den Ertragseigenschaften vor allem die Krankheitsresistenz und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stressereignissen (zum Beispiel Hitze oder Trockenheit) in den Fokus zu stellen. Die Eigenschaftstabellen der Landessortenversuche (siehe Abb. 3) zeigen dabei sowohl positive („++“), als auch negative Einstufungen der Sorten („- -„), und geben somit eine wichtige Hilfestellung bei der Auswahl. Aktualisierte Ergebnisse mit Sortenempfehlungen und Einstufungen der neuen Sorten aus dem Sortiment 2026 werden nach Auswertung der Ernteergebnisse veröffentlicht.

Nach der Auswahl der geeigneten Sorte stellt sich die Frage nach dem optimalen Aussaatzeitpunkt. Die letzten Jahre haben dabei gezeigt, dass die zunehmend warme Witterung im Herbst das Pflanzenwachstum bis in den Dezember hinein ermöglicht hat. Hierdurch wird es neben der Gefahr von überwachsenen Beständen durch zu frühe Aussaattermine auch zunehmend schwerer gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen im Herbst (Insektizideinsätze zur Blattlausbekämpfung, Herbizidmaßnahmen) durchzuführen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken haben sich spätere Saattermine als vorteilhaft gezeigt, sodass die Zeiträume in denen Blattläuse bekämpft und Ungräser keimen können, verkürzt werden. Die folgende Abbildung 4 zeigt die an die aktuelle Witterung angepassten empfohlenen Aussaattermine von Getreide, sowie die entsprechend anzupassenden Aussaatstärken. Dabei wird deutlich, dass sich in vielen Regionen der optimale Aussaattermin für Wintergerste in die erste Oktober-Woche verschoben hat. Regional, vor allem in den Hügellagen Niedersachsens, sind frühere Aussaattermine im September aber dennoch angeraten, um eine ausreichende Vor-Winter-Entwicklung sicherzustellen. Vor dem Hintergrund der Frage nach den optimalen Saatzeitpunkten hat die LWK Niedersachsen (Bezirksstelle Emsland) in mehrjährigen Auswertungen vorgenommen, wie die einzelnen Getreidearten auf sehr späte Saattermine ertraglich reagieren können. Bei Novembersaaten fielen dabei im Vergleich zu Oktobersaaten vor allem Gerste und Roggen mit Ertragsverlusten von im Mittel 17 – 18 dt/ha auf. Weizen und Triticale reagierten hingegen nur mit Ertragsrückgängen von 4 – 6 dt/ha (vgl. Abb. 5). Es wird deutlich, dass erst bei sehr späten Saatterminen ertraglich Unterschiede zwischen den Kulturen entstehen können und Aussaatfenster entsprechend der angebauten Kultur geplant werden sollten und optimale Aussaatzeiten im Zeitraum Anfang bis Mitte Oktober liegen.

Ein besonders positiver Effekt von späteren Saatterminen ist die indirekte Bekämpfung von Ungräsern wie Ackerfuchsschwanz, Jähriger Rispe, Weidelgras oder Windhalm. Es zeigt sich, dass das Auflaufverhalten der Gräser im Herbst bei einer späteren Aussaat rapide abnimmt. Zudem wird auch die Effizienz der im Herbst eingesetzten Herbizide bei späten Saatterminen deutlich verbessert (vgl. Abb. 6). Neben den deutlich verbesserten Herbizidmaßnahmen präsentieren sich später gedrillte Bestände durch die kürzere Vegetationszeit und somit durch kürzere Infektionszeiträume häufig deutlich gesünder, sodass auch positive Einflüsse bei der Krankheitsbekämpfung erzielt werden können.

Besonders positive Effekte hat ein verspäteter Saattermin im Oktober bei der Aussaat von Wintergerste, da sich hier im Herbst die Vektorbekämpfung zur Virusübertragung deutlich gezielter umsetzen lässt, als bei langen Vegetationsfenstern und zu frühen Aussaatzeitpunkten. Für Betriebe mit größerer Flächenausstattung ist es häufig sinnvoll zunächst mit der Aussaat von Roggen, Triticale oder Weizen zu beginnen und somit die optimalen Aussaattermine für die Wintergerste Anfang Oktober umsetzen zu können. Des Weiteren kann bei der Auswahl des Saattermins auch die Vorfrucht berücksichtigt werden, sodass gesunde Vorfrüchte, wie beispielsweise Raps oder Leguminosen, eher für frühere Saaten geeignet sind, als Getreide-Selbstfolgen.

Fazit:

  • Eine sorgfältige Planung der Herbstbestellung stellt einen wichtigen Baustein im Integrierten Pflanzenschutz dar
  • Die Nutzung des Züchtungsfortschritts bei modernen Getreidesorten ermöglicht angepasste und gezielte Einsätze von Pflanzenschutzmitteln, sodass das Risiko und die Einsatzmenge in der Vegetation gesenkt werden können
  • Der Einsatz von Pflug oder Mulchsaat richtet sich nach der Fruchtfolge und sollte die Bekämpfung von Ausfallgetreide und Unkräutern als wichtiges Entscheidungskriterium berücksichtigen
  • Spätere Aussaattermine und entsprechend angepasste Saatstärken senken den Krankheits-, sowie den Unkraut- und Ungrasdruck und verbessern zudem die Effizienz der eingesetzten Pflanzenschutzmittel