Die Bekämpfung von Blattkrankheiten, insbesondere Cercospora beticola, wurde in letzten Jahren durch wechselhafte Witterung, pflugloser Bodenbearbeitung und aufgrund einer begrenzten Auswahl wirksamer Fungizide erschwert. Dennoch bleibt die Zuckerrübe ein bedeutendes Fruchtfolgeglied in den Betrieben. Einen wertvollen Beitrag leisten hier resistente Sorten, die das Krankheitsauftreten mindern und die Bestandsführung zeitlich flexibler machen. Im Folgenden wird das Potenzial resistenter Sorten anhand mehrjähriger Versuchsreihen aus Niedersachsen vorgestellt.

Zulassungssituation Fungizide
Vor vier Jahren standen zur Bekämpfung von Blattkrankheiten in Zuckerrüben nur vier regulär zugelassene Fungizide mit zwei Wirkmechanismen und drei Wirkstoffen zur Verfügung – der Handlungsspielraum war entsprechend eng. Für die Saison 2026 hat sich die Lage verbessert: Mit nun 12 Produkten gegen Cercospora auf Basis von vier Wirkmechanismen und 10 Wirkstoffen ist die Auswahl deutlich breiter. Das ermöglicht eine wirksamere Bekämpfung und ein besseres Resistenzmanagement. Ein Nachteil bleibt: Prothioconazol ist in fünf der 12 Produkte enthalten und wird dadurch stark beansprucht, zumal die übrigen Wirkstoffe in ihrer Wirksamkeit hinter Prothioconazol zurückbleiben. Erstmals sind zwei kupferhaltige Produkte regulär zugelassen. Deren Zumischung steigert die Wirksamkeit und trägt als Multi-Site-Wirkstoff sinnvoll zum Resistenzmanagement bei. Alle zugelassenen Blattfungizide Fungizide sind in Tabelle 1 gelistet. Angesichts der Anpassung von Cercospora an verschiedene Wirkstoffgruppen darf die chemische Bekämpfung nie isoliert betrachtet werden, denn resistente Sorten bieten einen ebenso wirksamen Hebel für gesunde Bestände.
Sortenversuche zum Fungizideinsatz
Mit der Einführung der CR+‑Sorten vor fünf Jahren stehen resistente Sorten zur Verfügung, die hohen Schutz gegenüber Cercospora bieten und unter verschiedenen Anbaubedingungen stabile, oft sehr gute Erträge ermöglichen. In den letzten Jahren zeigte sich jedoch, dass diese Resistenz insbesondere in Süddeutschland und Österreich bereits von angepassten Cercospora‑Stämmen überwunden wurde – ein Hinweis darauf, dass auch resistente Sorten regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden müssen. Mehrjährige Sortenversuche sind daher besonders wertvoll, da sie zeigen, wie sich CR+‑Sorten unter unterschiedlichen Krankheits- und Standortbedingungen behaupten. Genau diese Ergebnisse stehen im folgenden Abschnitt im Mittelpunkt.
Die Versuchsreihe wurde dreijährig (2021–2023) an zwei Standorten durchgeführt. Der leichtere Standort Schwüblingsen (lehmiger Sand, 30 Bodenpunkte) östlich von Hannover weist hohen Cercospora‑Druck auf; dort erfolgten jährlich drei bis vier Beregnungen à ca. 25 mm. Der bessere Standort Koldingen südlich von Hannover ist durch Lösslehm (77 Bodenpunkte) und geringeren Cercospora‑Druck geprägt. Die mittlere natürliche Niederschlagsmenge beträgt an beiden Standorten rund 650 mm.
Der Versuch umfasste zwei Sortentypen: eine Cercospora‑anfällige (BSA Note 6) und eine hoch resistenten CR+‑Sorte (BSA 2). Über beide Sortentypen wurden vier Fungizidvarianten geprüft. Neben der unbehandelten Kontrolle wurde in drei Varianten sortenindividuell nach Bekämpfungsschwellensystem (5/15/45) appliziert; Folgespritzungen erfolgten bei 45 % Befallshäufigkeit. In den drei Varianten wurde jeweils ein Fungizid im Block ausgebracht: Amistar Gold (Difenoconazol + Azoxystrobin), Diadem (Mefentrifluconazol + Fluxapyroxad) und Propulse (Prothioconazol + Fluopyram), jeweils in maximaler Aufwandmenge. Bei einer dritten notwendigen Anwendung wurde Score (Difenoconazol) eingesetzt. Die Marktleistung wurde über alle Versuche nach einheitlichem Abrechnungsmodell mit varianten- und jahresindividuellen Preisen. Preisfindung erfolgte in Abstimmung mit der Nordzucker. Die berechnete Marktleistung entspricht dem Erlös abzüglich von Saatgut-, Fungizid- und Überfahrtskosten.
Weniger Fungizide, weniger Stress & mehr Erlös mit gesunden Sorten



Sortenresistenz mit hohem Wirkungsgrad gegen Cercospora
Die Befallsverläufe in Abbildung 4 zeigen eindrucksvoll, wie stark sich resistente und anfällige Sorten im Befallsbeginn, dem Epidemieverlauf und der Endbefallsstärke unterscheiden. Dargestellt sind Befallshäufigkeit und Befallsstärke der Kontrolle in der anfälligen Sorte Lunella und der resistenten Sorte Francina CR+ aus 2025. Während die anfällige Sorte bereits am 30. Juni die Bekämpfungsschwelle von 5% erreicht hat, steigt die Befallshäufigkeit der resistenten Sorte erst Mitte Juli an, um am 19. Juli die 5% Marke zu erreichen. Dieser zeitliche Abstand von 19 Tagen in 2025 deckt sich mit dem Mittelwert von 21 Tagen der Sorte x Fungizidversuche an dem Standort der letzten sechs Jahre. Resistente Sorten verzögern demnach den Befallsbeginn und ermöglichen einen 2 – 3 Wochen späteren Spritzstart. Die resistente Sorte zeigt auch einen deutlich flacheren Verlauf der Befallsstärke und eine deutlich geringere Endbefallsstärke. Dieser Unterschied entspricht einem Wirkungsgrad der Sortenresistenz gegen Cercospora im Bereich von 85 bis 90 % über den gesamten Befallsverlauf und liegt damit über dem, was aktuelle Fungizide allein leisten können.
Fungizidempfehlungen für unterschiedliche Befallssituationen, unterschiedliche Sortenresistenzten unter Berücksichtigung der neu verfügbaren Fungizidoptionen finden Sie auf der Seite des Pflanzenschutzdienstes Niedersachsen. Folgen Sie dazu dem nebenstehenden QR‑Code.
Fazit
Die Auswertung mehrjähriger Versuche an niedersächsischen Standorten zeigt, dass CR+‑Sorten den Epidemiebeginn um zwei bis drei Wochen verzögern, den Befallsverlauf deutlich abflachen und den Cercosporabefall um bis zu 90 % reduzieren können. Dieser Sorteneffekt übertrifft den Wirkungsgrad vieler Fungizide und schafft zugleich entscheidende Vorteile in der Bestandsführung: Der Spritzstart wird nach hinten verschoben, die Mittelwahl ist flexibler und die Fungizidintensität sinkt spürbar. Während anfällige Sorten häufig zwei bis vier Behandlungen benötigen, kommen gesunde Sorten oft mit einer einzigen aus. Zugleich erlauben sie die Nutzung kostengünstigerer Mittel und unterstützen ein nachhaltiges Resistenzmanagement. Dennoch zeigt die Entwicklung resistenzüberwindender Cercospora‑Stämme in Süddeutschland und Österreich, dass die Resistenzzüchtung kontinuierlich weiterverfolgt werden muss. Insgesamt bleibt festzuhalten: Wer Cercospora wirksam kontrollieren und wirtschaftlich erfolgreich Zuckerrüben anbauen will, kommt an resistenten Sorten nicht vorbei.
Empfehlungen zur Bekämpfung von Blattkrankheiten
Nutzen Sie das umfassende Beratungsangebot der LWK Niedersachsen und folgende Hilfestellungen bei der Entscheidungsfindung der Behandlungen:
- Spritzstart-Modellierung durch CERCBET 1 (www.isip.de)
- Monitoring Blattkrankheiten tagesaktuell (Warndienste & www.isip.de)
- Bekämpfungsschwellen für Blattkrankheiten (5/15/45)
- Spritzstrategie nach CERCBET 3 als Hilfestellung (www.isip.de)
Zur Entscheidungsfindung bei der Bekämpfung von Blattkrankheiten in der Zuckerrübe stehen verschiedene Instrumente und Hilfestellungen zur Verfügung. Eine erfolgreiche Krankheitsbekämpfung beginnt mit regelmäßiger Kontrolle der Zuckerrübenschläge auf Blattkrankheiten ab Anfang Juli. In Regionen mit stärkerem Befall in den zurückliegenden Jahren oder auf Beregnungsstandorten mit höherem Infektionsdruck sind die Kontrollen insbesondere in anfälligen Sorten auch schon ab Ende Juni angeraten. Das Prognosemodell CERCBET 1 auf www.isip.de prognostiziert den Termin des Befallsbeginns von Cercospora beticola und gibt eine schlagspezifische Hilfestellung, ab wann Schläge spätestens auf Befall untersucht werden sollten. Mehrjährige Versuche in Niedersachsen (siehe oben) zeigen, dass mit Hilfe des Bekämpfungsschwellenkonzeptes eine sortenindividuelle und wirtschaftliche Krankheitskontrolle möglich ist. Es ist somit eine wertvolle und praxiserprobte Hilfestellung zur Terminierung der Fungizidspritzungen.
Grundsätzlich muss dabei in zwei Situationen unterschieden werden (Abbildung 6):
- In blattgesunden Sorten oder bei geringem Befallsdruck mit Cercospora beticola und begrenztem Auftreten von Rost oder Mehltau reicht eine erneute Schwellenwertüberprüfung drei Wochen nach der Erstbehandlung aus.
- Bei anfälligen Sorten und hohem Krankheitsdruck bspw. auf Grund niederschlagsreicher Witterung sollte eine erneute Überprüfung des Schwellenwertes bereits nach zwei Wochen erfolgen.

Eine Hilfestellung zur Einschätzung der schlagspezifischen Befallshäufigkeit bietet das Prognosemodell CERCBET 3 der Plattform www.isip.de. Das Modell berechnet die tägliche Befallsentwicklung von Cercospora beticola im Bestand und gibt bei Überschreiten der Bekämpfungsschwelle eine Behandlungsempfehlung. Bereits durchgeführte Fungizidmaßnahmen können dabei berücksichtigt werden.
Zur Bekämpfung pilzlicher Schaderreger stehen neben Strobilurinen und dem Kontaktmittel Schwefel erstmals auch regulär zugelassene Kupferprodukte wie Recudo, Cuprantol Duo und Badge WG zur Verfügung. Ergänzend sind verschiedene Azole verfügbar – darunter Difenoconazol (Score, Maganic), Mefentrifluconazol (Diadem), Metconazol (Panorama), Prothioconazol (Propulse, Panorama, Cortina, Skeldon, Maganic) sowie Tetraconazol (Domark). Die Mittel Diadem und Propulse enthalten außerdem Wirkstoffe aus der Gruppe der Carboxamide. Die Wirksamkeit der zugelassenen Fungizide gegen die bedeutendste Krankheit, Cercospora beticola, sind auf Grund von Anpassungen durch den Erreger eingeschränkt. Die höchsten Wirkungsgrade erzielen aktuell Mittel mit dem Wirkstoff Prothioconazol. Gegen die Strobilurine sind in der Cercospora-Population mittlerweile flächendeckend hohe Anteile vollständig resistenter Isolate (G143A Mutation) vorhanden, weshalb der Wirkungsbeitrag gegen Cercospora beticola als sehr gering zu bewerten ist. Gegen den Rübenrost haben Strobilurine aber weiterhin sehr gute Leistung. Im Rahmen der Antiresistenzstrategie sollten carboxamidhaltige Produkte lediglich einmalig zum ersten Spritztermin (Juni/Juli) eingesetzt werden. Darüber hinaus gilt, dass diese Wirkstoffe durch Azole oder Kontaktwirkstoffe wie Kupfer flankiert werden sollten, um so einer Resistenzentwicklung entgegenzuwirken. Azole sollten in der Spritzfolge unbedingt im Wechsel eingesetzt werden. Durch diese Strategie wird parallel einem möglichen Shifting (Resistenzbildung) des verwendeten Azols entgegengewirkt. Der Zeitpunkt des Spritzstartes bestimmt mit dem geplanten Rodetermin die Anzahl der nötigen Fungizidanwendungen. Erfolgt ein Spritzstart bereits Ende Juni/ Anfang Juli, muss mit einer zweiten und gegebenenfalls dritten Behandlung gerechnet werden. In der Abbildung 6 sind zwei beispielhafte Fungizidstrategien für unterschiedliche Befallsituationen/ Sortentypen dargestellt. In Situationen mit hohem Befallsdruck oder in Cercospora-anfälligen Sorten können die Wirkungsgrade gängige Fungizide durch Kupferpräperate in halber Aufwandmenge erhöht werden und zudem durch den Multi-Site-Wirkstoff ein Beitrag zur Resistenzvermeidung geleistet werden.














