Pflanzenschutzdienst

Cercospora unter Kontrolle - Mit resistenten Sorten erfolgreicher wirtschaften!

Webcode: 01045239
Stand: 24.04.2026

Die Bekämpfung von Blattkrankheiten, insbesondere Cercospora beticola, wurde in letzten Jahren durch wechselhafte Witterung, pflugloser Bodenbearbeitung und aufgrund einer begrenzten Auswahl wirksamer Fungizide erschwert. Dennoch bleibt die Zuckerrübe ein bedeutendes Fruchtfolgeglied in den Betrieben. Einen wertvollen Beitrag leisten hier resistente Sorten, die das Krankheitsauftreten mindern und die Bestandsführung zeitlich flexibler machen. Im Folgenden wird das Potenzial resistenter Sorten anhand mehrjähriger Versuchsreihen aus Niedersachsen vorgestellt.

Cercospora Befall, links anfällige Sorte, rechts resistente Sorte, Datum_30.09.2025, Standort_Schwüblingsen
Cercospora Befall: links anfällige Sorte, rechts resistente Sorte; Datum: 30.09.2025, Standort: SchwüblingsenYannis Krause

Zulassungssituation Fungizide

Vor vier Jahren standen zur Bekämpfung von Blattkrankheiten in Zuckerrüben nur vier regulär zugelassene Fungizide mit zwei Wirkmechanismen und drei Wirkstoffen zur Verfügung – der Handlungsspielraum war entsprechend eng. Für die Saison 2026 hat sich die Lage verbessert: Mit nun 12 Produkten gegen Cercospora auf Basis von vier Wirkmechanismen und 10 Wirkstoffen ist die Auswahl deutlich breiter. Das ermöglicht eine wirksamere Bekämpfung und ein besseres Resistenzmanagement. Ein Nachteil bleibt: Prothioconazol ist in fünf der 12 Produkte enthalten und wird dadurch stark beansprucht, zumal die übrigen Wirkstoffe in ihrer Wirksamkeit hinter Prothioconazol zurückbleiben. Erstmals sind zwei kupferhaltige Produkte regulär zugelassen. Deren Zumischung steigert die Wirksamkeit und trägt als Multi-Site-Wirkstoff sinnvoll zum Resistenzmanagement bei. Alle zugelassenen Blattfungizide Fungizide sind in Tabelle 1 gelistet. Angesichts der Anpassung von Cercospora an verschiedene Wirkstoffgruppen darf die chemische Bekämpfung nie isoliert betrachtet werden, denn resistente Sorten bieten einen ebenso wirksamen Hebel für gesunde Bestände.

Tabelle 1 Zugelassene Fungizide in der Zuckerrübe
Tabelle 1: Zugelassene Fungizide in der ZuckerrübeDr. Hendrik Hanekamp

Sortenversuche zum Fungizideinsatz

Mit der Einführung der CR+‑Sorten vor fünf Jahren stehen resistente Sorten zur Verfügung, die hohen Schutz gegenüber Cercospora bieten und unter verschiedenen Anbaubedingungen stabile, oft sehr gute Erträge ermöglichen. In den letzten Jahren zeigte sich jedoch, dass diese Resistenz insbesondere in Süddeutschland und Österreich bereits von angepassten Cercospora‑Stämmen überwunden wurde – ein Hinweis darauf, dass auch resistente Sorten regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden müssen. Mehrjährige Sortenversuche sind daher besonders wertvoll, da sie zeigen, wie sich CR+‑Sorten unter unterschiedlichen Krankheits- und Standortbedingungen behaupten. Genau diese Ergebnisse stehen im folgenden Abschnitt im Mittelpunkt.

Die Versuchsreihe wurde dreijährig (2021–2023) an zwei Standorten durchgeführt. Der leichtere Standort Schwüblingsen (lehmiger Sand, 30 Bodenpunkte) östlich von Hannover weist hohen Cercospora‑Druck auf; dort erfolgten jährlich drei bis vier Beregnungen à ca. 25 mm. Der bessere Standort Koldingen südlich von Hannover ist durch Lösslehm (77 Bodenpunkte) und geringeren Cercospora‑Druck geprägt. Die mittlere natürliche Niederschlagsmenge beträgt an beiden Standorten rund 650 mm.

Der Versuch umfasste zwei Sortentypen: eine Cercospora‑anfällige (BSA Note 6) und eine hoch resistenten CR+‑Sorte (BSA 2). Über beide Sortentypen wurden vier Fungizidvarianten geprüft. Neben der unbehandelten Kontrolle wurde in drei Varianten sortenindividuell nach Bekämpfungsschwellensystem (5/15/45) appliziert; Folgespritzungen erfolgten bei 45 % Befallshäufigkeit. In den drei Varianten wurde jeweils ein Fungizid im Block ausgebracht: Amistar Gold (Difenoconazol + Azoxystrobin), Diadem (Mefentrifluconazol + Fluxapyroxad) und Propulse (Prothioconazol + Fluopyram), jeweils in maximaler Aufwandmenge. Bei einer dritten notwendigen Anwendung wurde Score (Difenoconazol) eingesetzt. Die Marktleistung wurde über alle Versuche nach einheitlichem Abrechnungsmodell mit varianten- und jahresindividuellen Preisen. Preisfindung erfolgte in Abstimmung mit der Nordzucker. Die berechnete Marktleistung entspricht dem Erlös abzüglich von Saatgut-, Fungizid- und Überfahrtskosten.

Weniger Fungizide, weniger Stress & mehr Erlös mit gesunden Sorten

Abildung 1 Einfluss der Sortenresistenz und Fungizidintensität auf die Marktleistung Standort mit hohem Cercosporadruck
Abbildung 1: Einfluss der Sortenresistenz und Fungizidintensität auf die Marktleistung Standort mit hohem CercosporadruckDr. Hendrik Hanekamp
Die Versuchsreihe zeigt, dass gesunde Sorten die Zahl notwendiger Fungizidbehandlungen reduzieren und mehr Flexibilität bei Mittelwahl und Anwendungsterminen ermöglichen. Besonders am Standort Schwüblingsen mit hohem Cercospora-Druck werden die Vorteile deutlich. Abbildung 1 zeigt die Marktleistung der verschiedenen Fungizidvarianten in gesunder und anfälliger Sorte sowie Behandlungsindex und Erlösdifferenzen. Im Mittel der drei Jahre erzielt die gesunde CR+‑Sorte dort ohne Fungizideinsatz einen Mehrerlös von 527 €/ha gegenüber der anfälligen Sorte. Auch bei der Fungizidintensität zeigen sich klare Vorteile: In gesunden Sorten wurde in allen Varianten nur eine Behandlung durchgeführt, während in anfälligen Sorten im Mittel 2,3 Anwendungen notwendig waren. Zudem erreichten gesunde Sorten selbst mit weniger potenten Fungiziden sehr gute und insgesamt die besten Ergebnisse am Standort. Während die anfällige Sorte ihre höchsten Erlöse mit 2,3 Behandlungen und dem wirksamsten Produkt (Propulse) erzielte, erreichte die gesunde Sorte Spitzenwerte bereits mit günstigeren Präparaten und einer Anwendung. Dies zeigt, dass gesunde Sorten eine entspanntere Bestandesführung bei reduziertem Fungizideinsatz ermöglichen.

Abbildung 2 Einfluss der Sortenresistenz und Fungizidintensität auf die Marktleistung Standort mit geringem Cercosporadruck
Abbildung 2: Einfluss der Sortenresistenz und Fungizidintensität auf die Marktleistung Standort mit geringem CercosporadruckDr. Hendrik Hanekamp
Auch am Standort Koldingen mit geringerem Cercospora‑Druck zeigen sich Vorteile gesunder Sorten. Abbildung 2 verdeutlicht den geringeren Befallsdruck: Während in Schwüblingsen 527 €/ha Erlösdifferenz bestanden, lag diese in Koldingen nur bei 106 €/ha. Der Behandlungsindex fällt bei geringem Krankheitsdruck für anfällige Sorten niedriger aus und nähert sich der gesunden Sorte an. Zudem erzielt die gesunde Sorte bei weniger wirksamen Produkten und niedriger Intensität höhere Erlöse als die anfällige Sorte. Lediglich Propulse als wirksamstes Fungizid sichert den Ertrag der anfälligen Sorte am besten ab und führte zu einem um 204 €/ha höheren Markterlös im Vergleich zur gesunden Sorte und zugleich dem höchsten Erlös des Standorts. Dies zeigt, dass bei geringem Krankheitsdruck eine intensive Behandlung in gesunden Sorten nicht notwendig ist und kostengünstigere Fungizide wirtschaftlicher sind, besonders wenn nur eine Bekämpfung von Mehltau oder Rübenrost erforderlich ist.

Abbildung 3 Einfluss der Sortenresistenz und Fungizidintensität auf die Marktleistung in 2024
Abbildung 3: Einfluss der Sortenresistenz und Fungizidintensität auf die Marktleistung in 2024Dr. Hendrik Hanekamp
Auch im Jahr 2024, dem Jahr mit besonders hohem Cercosporadruck, wurde der Versuch am Standort Schwüblingsen angelegt. In Abbildung 3 ist die Marktleistung der unbehandelten Kontrolle und der Fungizidvariante der beiden Sortentypen dargestellt. Die Behandlung erfolgte nach Bekämpfungsschwellenkonzept (5/15/45). Folgende Spritzfolge wurde eingesetzt: Propulse, Diadem, Panorama, Score jeweils in max. zugelassener Aufwandmenge. Der Versuch zeigt die Wirkung der CR+ Resistenz besonders deutlich: In der unbehandelten Kontrolle erzielt die gesunde Sorte eine um 432 €/ha höhere Marktleistung als die anfällige. Zudem ist bemerkenswert, dass die gesunde Sorte ohne Fungizidbehandlung einen leicht höheren Markerlös erzielt als die anfällige Sorte mit vier Fungizidbehandlungen. Außerdem zeigt sich bei dem hohen Cercosporadruck erneut eine deutliche Reduktion der Fungizidintensität in der gesunden Sorte. Während in der CR+ Sorte lediglich zwei Behandlungen erforderlich waren, waren es in der anfälligen Sorte vier. Trotz des geringeren Fungizideinsatzes erzielte die CR+‑Sorte den höchsten Markterlös in dem Versuch.

Sortenresistenz mit hohem Wirkungsgrad gegen Cercospora

Die Befallsverläufe in Abbildung 4 zeigen eindrucksvoll, wie stark sich resistente und anfällige Sorten im Befallsbeginn, dem Epidemieverlauf und der Endbefallsstärke unterscheiden. Dargestellt sind Befallshäufigkeit und Befallsstärke der Kontrolle in der anfälligen Sorte Lunella und der resistenten Sorte Francina CR+ aus 2025. Während die anfällige Sorte bereits am 30. Juni die Bekämpfungsschwelle von 5% erreicht hat, steigt die Befallshäufigkeit der resistenten Sorte erst Mitte Juli an, um am 19. Juli die 5% Marke zu erreichen. Dieser zeitliche Abstand von 19 Tagen in 2025 deckt sich mit dem Mittelwert von 21 Tagen der Sorte x Fungizidversuche an dem Standort der letzten sechs Jahre. Resistente Sorten verzögern demnach den Befallsbeginn und ermöglichen einen 2 – 3 Wochen späteren Spritzstart. Die resistente Sorte zeigt auch einen deutlich flacheren Verlauf der Befallsstärke und eine deutlich geringere Endbefallsstärke. Dieser Unterschied entspricht einem Wirkungsgrad der Sortenresistenz gegen Cercospora im Bereich von 85 bis 90 % über den gesamten Befallsverlauf und liegt damit über dem, was aktuelle Fungizide allein leisten können.

Fungizidempfehlungen für unterschiedliche Befallssituationen, unterschiedliche Sortenresistenzten unter Berücksichtigung der neu verfügbaren Fungizidoptionen finden Sie auf der Seite des Pflanzenschutzdienstes Niedersachsen. Folgen Sie dazu dem nebenstehenden QR‑Code.

Abbildung 4 Sorteneffekte auf den Cercospora Befallsverlauf 2025
Abbildung 4: Sorteneffekte auf den Cercospora Befallsverlauf 2025Dr. Hendrik Hanekamp

Fazit

Die Auswertung mehrjähriger Versuche an niedersächsischen Standorten zeigt, dass CR+‑Sorten den Epidemiebeginn um zwei bis drei Wochen verzögern, den Befallsverlauf deutlich abflachen und den Cercosporabefall um bis zu 90 % reduzieren können. Dieser Sorteneffekt übertrifft den Wirkungsgrad vieler Fungizide und schafft zugleich entscheidende Vorteile in der Bestandsführung: Der Spritzstart wird nach hinten verschoben, die Mittelwahl ist flexibler und die Fungizidintensität sinkt spürbar. Während anfällige Sorten häufig zwei bis vier Behandlungen benötigen, kommen gesunde Sorten oft mit einer einzigen aus. Zugleich erlauben sie die Nutzung kostengünstigerer Mittel und unterstützen ein nachhaltiges Resistenzmanagement. Dennoch zeigt die Entwicklung resistenzüberwindender Cercospora‑Stämme in Süddeutschland und Österreich, dass die Resistenzzüchtung kontinuierlich weiterverfolgt werden muss. Insgesamt bleibt festzuhalten: Wer Cercospora wirksam kontrollieren und wirtschaftlich erfolgreich Zuckerrüben anbauen will, kommt an resistenten Sorten nicht vorbei.

 

Empfehlungen zur Bekämpfung von Blattkrankheiten

Nutzen Sie das umfassende Beratungsangebot der LWK Niedersachsen und folgende Hilfestellungen bei der Entscheidungsfindung der Behandlungen:

  • Spritzstart-Modellierung durch CERCBET 1 (www.isip.de)
  • Monitoring Blattkrankheiten tagesaktuell (Warndienste & www.isip.de)
  • Bekämpfungsschwellen für Blattkrankheiten (5/15/45)
  • Spritzstrategie nach CERCBET 3 als Hilfestellung (www.isip.de)

Zur Entscheidungsfindung bei der Bekämpfung von Blattkrankheiten in der Zuckerrübe stehen verschiedene Instrumente und Hilfestellungen zur Verfügung. Eine erfolgreiche Krankheitsbekämpfung beginnt mit regelmäßiger Kontrolle der Zuckerrübenschläge auf Blattkrankheiten ab Anfang Juli. In Regionen mit stärkerem Befall in den zurückliegenden Jahren oder auf Beregnungsstandorten mit höherem Infektionsdruck sind die Kontrollen insbesondere in anfälligen Sorten auch schon ab Ende Juni angeraten. Das Prognosemodell CERCBET 1 auf www.isip.de prognostiziert den Termin des Befallsbeginns von Cercospora beticola und gibt eine schlagspezifische Hilfestellung, ab wann Schläge spätestens auf Befall untersucht werden sollten. Mehrjährige Versuche in Niedersachsen (siehe oben) zeigen, dass mit Hilfe des Bekämpfungsschwellenkonzeptes eine sortenindividuelle und wirtschaftliche Krankheitskontrolle möglich ist. Es ist somit eine wertvolle und praxiserprobte Hilfestellung zur Terminierung der Fungizidspritzungen.

Abbildung 5 Bekämpfungsschwellenkonzept gegen Blattkrankheiten in der Zuckerrübe
Abbildung 5: Bekämpfungsschwellenkonzept gegen Blattkrankheiten in der ZuckerrübeDr. Hendrik Hanekamp
Die Befallshäufigkeit wird nach der 100-Blatt-Rupfmethode ermittelt. Dazu werden nach dem Zufallsprinzip beim Durchqueren des Bestandes 100 Blätter entnommen. Dabei wird immer nur ein Blatt aus dem mittleren Blattapparat einer Rübe genommen. Jedes Blatt mit mindestens einem pilzlichen Blattfleck (z.B. Cercospora beticola) wird gezählt und entspricht 1 %. Die erste Behandlung findet je nach Termin ab 5%, 10% oder 45% Befallshäufigkeit statt (Abbildung 5). Für Folgebehandlungen bei erneutem Überschreiten der Bekämpfungsschwelle gilt unabhängig von dem Zeitpunkt ein Wert von 45%.

Grundsätzlich muss dabei in zwei Situationen unterschieden werden (Abbildung 6):

  1. In blattgesunden Sorten oder bei geringem Befallsdruck mit Cercospora beticola und begrenztem Auftreten von Rost oder Mehltau reicht eine erneute Schwellenwertüberprüfung drei Wochen nach der Erstbehandlung aus.
  2. Bei anfälligen Sorten und hohem Krankheitsdruck bspw. auf Grund niederschlagsreicher Witterung sollte eine erneute Überprüfung des Schwellenwertes bereits nach zwei Wochen erfolgen.

Abbildung 6 Fungizidempfehlungen Zuckerrübe
Abbildung 6: Fungizidempfehlungen Zuckerrübe 2026Dr. Hendrik Hanekamp
Eine weitere Hilfe zur Einschätzung der regionalen Befallssituation in verschiedenen Sorten ist das Blattkrankheitsmonitoring der LWK Niedersachsen. Dieses wird jährlich an über 50 Standorten durchgeführt und ist auf www.isip.de tagesaktuell abrufbar. Zudem werden die Informationen in der Beratung und den Hinweisen zum Integrierten Pflanzenschutz veröffentlicht.

Eine Hilfestellung zur Einschätzung der schlagspezifischen Befallshäufigkeit bietet das Prognosemodell CERCBET 3 der Plattform www.isip.de. Das Modell berechnet die tägliche Befallsentwicklung von Cercospora beticola im Bestand und gibt bei Überschreiten der Bekämpfungsschwelle eine Behandlungsempfehlung. Bereits durchgeführte Fungizidmaßnahmen können dabei berücksichtigt werden.

Zur Bekämpfung pilzlicher Schaderreger stehen neben Strobilurinen und dem Kontaktmittel Schwefel erstmals auch regulär zugelassene Kupferprodukte wie Recudo, Cuprantol Duo und Badge WG zur Verfügung. Ergänzend sind verschiedene Azole verfügbar – darunter Difenoconazol (Score, Maganic), Mefentrifluconazol (Diadem), Metconazol (Panorama), Prothioconazol (Propulse, Panorama, Cortina, Skeldon, Maganic) sowie Tetraconazol (Domark). Die Mittel Diadem und Propulse enthalten außerdem Wirkstoffe aus der Gruppe der Carboxamide. Die Wirksamkeit der zugelassenen Fungizide gegen die bedeutendste Krankheit, Cercospora beticola, sind auf Grund von Anpassungen durch den Erreger eingeschränkt. Die höchsten Wirkungsgrade erzielen aktuell Mittel mit dem Wirkstoff Prothioconazol. Gegen die Strobilurine sind in der Cercospora-Population mittlerweile flächendeckend hohe Anteile vollständig resistenter Isolate (G143A Mutation) vorhanden, weshalb der Wirkungsbeitrag gegen Cercospora beticola als sehr gering zu bewerten ist. Gegen den Rübenrost haben Strobilurine aber weiterhin sehr gute Leistung. Im Rahmen der Antiresistenzstrategie sollten carboxamidhaltige Produkte lediglich einmalig zum ersten Spritztermin (Juni/Juli) eingesetzt werden. Darüber hinaus gilt, dass diese Wirkstoffe durch Azole oder Kontaktwirkstoffe wie Kupfer flankiert werden sollten, um so einer Resistenzentwicklung entgegenzuwirken. Azole sollten in der Spritzfolge unbedingt im Wechsel eingesetzt werden. Durch diese Strategie wird parallel einem möglichen Shifting (Resistenzbildung) des verwendeten Azols entgegengewirkt. Der Zeitpunkt des Spritzstartes bestimmt mit dem geplanten Rodetermin die Anzahl der nötigen Fungizidanwendungen. Erfolgt ein Spritzstart bereits Ende Juni/ Anfang Juli, muss mit einer zweiten und gegebenenfalls dritten Behandlung gerechnet werden. In der Abbildung 6 sind zwei beispielhafte Fungizidstrategien für unterschiedliche Befallsituationen/ Sortentypen dargestellt. In Situationen mit hohem Befallsdruck oder in Cercospora-anfälligen Sorten können die Wirkungsgrade gängige Fungizide durch Kupferpräperate in halber Aufwandmenge erhöht werden und zudem durch den Multi-Site-Wirkstoff ein Beitrag zur Resistenzvermeidung geleistet werden.