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Winterweizen – Gesunde Sorten zahlen sich aus!

Webcode: 01044624
Stand: 17.07.2026

Winterweizen steht während der gesamten Vegetationsperiode unter dem Druck verschiedenster Krankheiten – gleichzeitig nimmt die Zahl wirksamer Fungizide stetig ab. Umso wichtiger wird die Wahl der richtigen Sorte: Denn blattgesunde Sorten mit stabiler Resistenz ermöglichen es, den Fungizideinsatz deutlich zu reduzieren – ohne wirtschaftliche Einbußen. Dieser Artikel zeigt, wie das Zusammenspiel aus Sortenwahl und angepasster Fungizidstrategie zum Schlüssel für einen erfolgreichen und wirtschaftlichen Weizenanbau wird.

Typische Symptome (V.l.n.r) der Blattk. Mehltau, Septoria tritici, Gelbrost und Braunrost
Typische Symptome (v. l. n .r) der Blattkrankheiten echter Mehltau, Septoria-Blattdürre, Gelbrost und BraunrostDr. Hendrik Hanekamp

Ertragsrelevante Blattkrankheiten im Weizen

In niedersächsischen Weizenversuchen der vergangenen 20 Jahren traten im wesentlichen Septoria-Blattdürre (Septoria tritici), Gelbrost (Puccinia striiformis) und Braunrost (Puccinia triticina) als ertragsrelevanteste Blattkrankheiten auf. Der echte Mehltau (Blumeria graminis) und die DTR-Blattdürre (Drechslera tritici-repentis) waren mit regionalen Hotspots deutlich weniger ertragsrelevant.

Gelbrost gewann seit 2012 durch die Überwindung wichtiger Resistenzgene als ertragsmindernde Blattkrankheit an Bedeutung. Der Pilz benötigt mild-feuchte Bedingungen bei optimalen 10 – 20°C. Zu hohe Temperaturen über 25 °C hemmen die Ausbreitung. Braunrost entwickelt sich besonders gut bei warm-trockener Witterung mit Temperaturen über 25 °C in Verbindung mit Taubildung. In den letzten Jahren tritt Braunrost zunehmend früher in der Saison auf und sorgt in anfälligen Sorten für signifikante Ertragseinbußen. Die Sortenresistenzen gegen Gelb- und Braunrost beruhen wesentlich auf einzelnen Resistenzgenen. Deshalb kann die Sortenresistenz einerseits sehr hoch ausgeprägt sein aber durch neue Rassen andererseits auch schnell und vollständig verloren gehen. Der Mittelwert der Gelbrosteinstufung für alle seit 2020 zugelassenen Sorten liegt laut Bundessortenliste 2024 mit 2,5 (Spanne von 1 = sehr gesund bis 5 = mittel) auf einem guten Niveau. Der entsprechende Wert für Braunrost liegt mit 3,4 (Spanne von 1 = sehr gesund bis 8 = stark bis sehr stark anfällig) um etwa einen Notenpunkt schlechter. Die Spanne der Einzelwerte sowohl bei Gelb- als auch bei Braunrost zeigt, dass es neben hoch resistenten Sorten auch Sorten mit hoher bis sehr hoher Anfälligkeit gibt. Hier kann über die Sortenwahl eine wirksame, kostengünstige Maßnahme gegen beide Rostarten genutzt werden. Aufgrund schneller potentieller Erregeranpassung kann sich das Resistenzniveau einzelner Sorten jährlich verändern. Daher sind wirksame Fungizide enorm wichtig. Gegen Braun- und Gelbrost sind das aus der Gruppe der Azole zum Beispiel Tebuconazol oder Metconazol. Darüber hinaus wirken Strobilurine sehr gut vorbeugend und anhaltend gegen Roste. Die Gruppe der Carboxamide zeigt gegen Gelbrost gute Leistungen wobei im Weizen-Braunrost seit wenigen Jahren Mutationen auftreten, die zu einer reduzierten Wirksamkeit im Feld führen können.

Zu Beginn der 2000er dominierte noch die Septoria-Blattdürre als ertragsrelevanteste Krankheit. Septoria benötigt Ausgangsbefall vor Ort, feucht-nasse Bedingungen mit Regen zur Verteilung der Sporen und zur rund 36 Stunden Blattnässe zur Infektion. Abgesehen von den Küstenregionen hat die Ertragsrelevanz von Septoria in Niedersachsen in den letzten Jahren auch aufgrund der zunehmend trocken-warmen Frühjahrswitterung abgenommen. Die Sortenresistenz gegen Septoria besteht aus einem Zusammenwirken vieler Resistenzgene und ist deshalb dauerhafter. Basierend auf den Noten der Bundessortenliste 2024 liegt die Einstufung aller seit 2020 zugelassenen Sorten im Mittel bei einem Wert von 3,8 (Spanne von 3 = gesund bis 5 = mittel). Dieses befriedigende Resistenzniveau mit wenig Streuung zeigt, dass sich über die Sortenwahl zwar ein gewisser Schutz erreichen lässt, aber eine hoch wirksame Vorbeugung bei hohem Infektionsdruck nicht gewährleistet ist. Hier ist der Einsatz von Fungiziden ein wichtiger Baustein für eine integrierte Septoriabekämpfung. Insbesondere Mefentrifluconazol gefolgt von Prothioconazol sind potente Azole mit vorbeugender und begrenzter kurativer Leistung. Auch Fenpicoxamid (QiI) und der Multi-Site Wirkstoff Folpet sind leistungsfähige und wichtige Bausteine für ein sinnvolles Resistenzmanagement der Fungizidwirkstoffe gegen Septoria.

Der echte Mehltau benötigt hohe Luftfeuchtigkeit bei geringer Lichtintensität und ist in einem sehr breiten Temperaturbereich von 1-30 °C bei optimalen 20-24 °C aktiv. Durch den breiten Temperaturbereich tritt der Pilz häufig vor dem Schossen in anfälligen Sorten auf Standorten mit hoher Stickstoffnachlieferung auf. Der Mittelwert der Mehltaueinstufung für alle seit 2020 zugelassenen Sorten liegt laut Bundessortenliste 2024 mit 2,7 (Spanne 2 = gesund bis sehr gesund bis 6 = mittel bis anfällig) auf einem guten Niveau. Die Wahl einer resistenten Sorte und eine bedarfsgerechte N-Düngung sind die wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen gegen Mehltau. Zur protektiven Bekämpfung des Pilzes stehen im Weizen spezielle Mehltaufungizide (z.B. Morpholine, Cyflufenamid, Proquinazid, etc.) zur Verfügung, die aber zum Teil aufgrund einer Anpassung des Erregers nicht mehr voll wirksam sind.

Genetischer Pflanzenschutz: Zuchtfortschritt nutzen!

Neue Weizensorten werden immer blattgesünder. Diese Entwicklung ist in Abbildung 1 „Winterweizen: Sorten werden immer gesünder“ dargestellt. Berechnet wurde der Mittelwert der Resistenzeinstufungen nach Bundessortenliste für fünf ausgewählte Blattkrankheiten. In der Berechnung sind die jährlich 15 vermehrungsstärksten Sorten berücksichtigt. Die Werte zeigen eine abnehmende Tendenz. Das heißt konkret: Die Sorten werden gesünder. Besonders beim Gelbrost verbesserte sich die Resistenz seit 2012 um mehr als einem Notenpunkt auf aktuell 2,7. Wobei sich in den Jahren 2022 & 2023 ein Rückgang des Resistenzniveaus abzeichnete, eventuell durch Überwinden eines oder mehrerer Resistenzgene durch den Gelbrost-Pilz. Das bereits gute Resistenzniveau beim Mehltau hat sich über die Jahre gehalten. Bei Braunrost und Septoria hat es eine Verbesserung um etwa 0,5 Notenpunkte gegeben. Das mag gering erscheinen, dennoch unterstreicht diese Entwicklung, dass es eine kontinuierliche züchterische Verbesserung der Resistenz im Sortenmaterial gegeben hat. Bei Septoria ist die Verbesserung in dem Zeitraum vor allem durch zuletzt weniger Sorten mit sehr schlechter Einstufung als noch vor 21 Jahren zu erklären.

Abbildung 1: Winterweizen: Sorten werden immer gesünder
Abbildung 1: Winterweizen: Sorten werden immer gesünderDr. Hendrik Hanekamp

Die Sortenwahl ist die wichtigste Entscheidung zur Krankheitsvorbeuge im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes. Langjährige Versuchsreihen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen belegen: Mit einer blattgesunden Sorte sind signifikante Einsparungen bei Fungiziden möglich und zudem ökonomisch sinnvoll.

Gesunde Sorten bringen stabilere Erträge!

In den Landessortenversuchen (LSV) der Landwirtschaftskammer Niedersachsen werden alljährlich vielversprechende Sorten ohne und mit Fungizidschutz geprüft. Aus diesen Versuchen lässt sich für jede Sorte der regionale Gesundheitsstatus anhand der Ertragsdifferenz zwischen den beiden Stufen ablesen. Abbildung 2 zeigt die Erträge sowie die Ertragsdifferenzen der LSV zwischen der Stufe 1 (ohne Fungizid) und der Stufe 2 (mit Fungizid) der Sorten seit 2005. Im Mittel betragen die Ertragsdifferenzen 10 dt/ha, wobei sie zwischen 3 dt/ha im Jahr 2010 und 21 dt/ha im Jahr 2014 schwanken.

Abbildung 2: Genetischer vs. Chemischer Pflanzenschutz
Abbildung 2: Genetischer vs. Chemischer PflanzenschutzDr. Hendrik Hanekamp

Den größten Einfluss auf den Krankheitsdruck haben die Frühjahrswitterung und die Sortenresistenz. Vor allem 2014 sticht aufgrund der damals neuen virulenten Gelbrostrasse „Warrior“ mit ertragsrelevantem Auftreten negativ heraus. Auch die Jahre 2016 und zuletzt 2024 waren Jahre mit hohem Krankheitsdruck. Dies schlägt sich in der rel. hohen Ertragsdifferenz zwischen den beiden Stufen nieder. Gesunde Sorte zeichnen sich gerade in Jahren mit hohem Krankheitsdruck durch stabile Erträge aus. Ab 2014 ist an den sinkenden Differenzen der Erfolg der Resistenzzüchtung vor allem gegen Gelbrost abzulesen. In gesunden Sorten entstehen aufgrund der Sortenresistenzen auch in Jahren wie 2014 und 2024 geringere Ertragsdifferenzen zwischen den beiden Stufen. Dieser Effekt kann in den Ergebnissen der Landessortenversuche (Webcode: 01044596) der LWK Niedersachsen abgelesen und direkt bei der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Sorte genutzt werden.

6-jährige Versuchsreihe: Resistente Sorten zahlen sich aus!

Mehrjährige Versuchsreihen der LWK Niedersachsen zeigen den wirtschaftlichen Nutzen blattgesunder Weizensorten. Je Standort wurden eine gesunde und eine anfällige Sorte mit drei Fungizidintensitäten sowie einer unbehandelten Kontrolle geprüft. Die Sortentypen „anfällig“ vs. „gesund“ sind für vier ausgewählte Blattkrankheiten in Tabelle 1 beschrieben. Die gesunden Sorten verfügten gegenüber den anfälligen Sorten über eine deutlich bessere Resistenz gegen Gelbrost, Braunrost und Septoria. Gleichzeitig wurden Sorten ausgewählt, die hinsichtlich Kornertrag und Qualitätsstufe je Standort und Jahr möglichst vergleichbar waren.

Tab. 1: Mittelwerte der Noten nach Bundessortenliste für zwei Sortentypen in der Versuchsserie "Sorte x Fungizid" über 6 Jahre

Sortentyp

Sortenalter

Mehltau

Septoria

Gelbrost

Braunrost

Mittel

anfällig

4,8 Jahre

2,8

4,5

4,1

4,4

3,9

gesund

1,8 Jahre

2,1

3,5

1,6

2,9

2,5

Tab. 2: Fungizidvarianten in der Versuchsserie "Sorte x Fungizid" über 6 Jahre

Variante

T1 (BBCH 32)

T2 (BBCH 39-49)

T3 (BBCH 62-63)

1 x Fungizid

 

Azol + Carboxamid

 

2 x Fungizid

Azol evtl. + Mehltaupartner

Azol + Carboxamid

 

3 x Fungizid

Azol evtl. + Mehltaupartner

Azol + Carboxamid

Azol

 

Geprüft wurden neben einer unbehandelten Kontrolle drei verschiedene Fungizidintensitäten, diese sind in Tabelle 2 dargestellt. Der Azolwechsel wurde innerhalb der Spritzfolge zur Resistenzvermeidung so weit wie möglich umgesetzt. Die Versuchsreihen wurden von 2017 bis 2022 in drei Anbauregionen Niedersachsens durchgeführt. Die Küstenregion wurde durch den Marschstandort Schoonorth in Ostfriesland repräsentiert (4-jährig), die Geest durch den leichten Sandstandort Wehnen bei Oldenburg (4-jährig). Die Hochertragsregion im Binnenland wurde durch die Standorte Höckelheim, Poppenburg, Königslutter und Borwede auf lehmhaltigen Böden abgebildet (6-jährig). Die Binnenland-Standorte wiesen eine Bodengüte von 55 - 85 Bodenpunkten auf.

Gesunde Sorten zeigen kaum Befall!

Das Befallsgeschehen unterschied sich deutlich zwischen den Standorten. Der höchste Krankheitsdruck wurde am Küstenstandort beobachtet, gefolgt von den Binnenlandstandorten, während Blattkrankheiten auf der Geest insgesamt die geringste Bedeutung hatten. An der Küste dominierten Gelbrost und Septoria mit deutlicher Ertragsrelevanz, während Mehltau und Braunrost nur eine untergeordnete Rolle spielten. Im Binnenland bestimmten vor allem Gelb- und Braunrost das Befallsgeschehen. Septoria trat zwar häufig früh auf, blieb jedoch meist ohne ertragsrelevante Auswirkungen. Auf den Geeststandorten waren Gelbrost und in geringem Umfang Mehltau die wichtigsten Krankheiten, während Braunrost und Septoria nur schwach auftraten und keine relevante Bedeutung für den Ertrag hatten.

Sortengesundheit zahlt sich standortübergreifend aus

Die mehrjährigen Versuchsreihen der drei Anbauregionen Niedersachsens zeigen erwartungsgemäß standortspezifische Ertragsunterschiede. Die Ertragseffekte sind in Abbildungen 3 A-C dargestellt. In der unbehandelten Kontrolle erreichten die gesunden Sorten an den Binnenlandstandorten Südniedersachsens durchschnittlich 95 dt/ha, am Küstenstandort Aurich 97 dt/ha und am Geeststandort Wehnen 60 dt/ha. Gleichzeitig zeigte sich ohne Fungizideinsatz ein klarer Einfluss der Sortengesundheit, der jedoch je nach Standort unterschiedlich stark ausgeprägt war. Am Geeststandort ergaben sich zwischen gesunder und anfälliger Sorte kein Ertragsunterschied. An den Binnenlandstandorten lag der Vorteil der gesunden Sorte in der unbehandelten Kontrolle bei durchschnittlich 5,8 dt/ha, während am Küstenstandort mit 9,4 dt/ha die größten Unterschiede festgestellt wurden. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Sortengesundheit insbesondere unter höherem Krankheitsdruck einen wichtigen Beitrag zur Ertragsabsicherung leisten kann und bereits ohne Fungizideinsatz Mehrerträge ermöglicht.

Abbildung 3: Ertragseffekte verschiedener Fungizidintensitäten in anfälligen und gesunden W-Weizensorten, mehrjährig, 3 Regionen (a-c) in Niedersachsen
Abbildung 3: Ertragseffekte verschiedener Fungizidintensitäten in anfälligen und gesunden W-Weizensorten, mehrjährig, 3 Regionen (a-c) in NiedersachsenDr. Hendrik Hanekamp

Die Wirkung der Fungizidintensität auf den Ertrag unterschied sich deutlich zwischen den Anbauregionen und Sortentypen (Tabelle 3). Die größte Ertragsabsicherung wurde in anfälligen Sorten an Küsten- und Hochertragsstandorten erreicht, während gesunde Sorten dort nur etwa die Hälfte dieses Effektes zeigten. Am Geeststandort war der Nutzen von Fungizidmaßnahmen unabhängig vom Sortentyp insgesamt deutlich geringer. Die Ergebnisse zeigen, dass der Nutzen von Fungizidmaßnahmen maßgeblich vom Standort und der Sortengesundheit abhängt: Je höher der Krankheitsdruck und je anfälliger die Sorte, desto größer fällt der Effekt zusätzlicher Fungizidmaßnahmen aus.

Tab.3: Ertragsabsicherung durch Fungizide nach Regionen und Sortentyp, 3x Fungizid vs. Kontrolle, [dt/ha]

Region

Sortentyp

gesund

anfällig

Küste (4 Jahre)

16,2

26,3

Binnenland (6 Jahre)

7,3

12,8

Geest (4 Jahre)

0,6

4,2

Betrachtet man die um Pflanzenschutzkosten bereinigten Erträge, wird der Vorteil gesunder Sorten noch deutlicher. So erreichte die gesunde Sorte am Küstenstandort bereits mit einer einmaligen Fungizidmaßnahme einen bereinigten Ertrag von 104,1 dt/ha und lag damit nahezu auf dem Niveau der anfälligen Sorte bei maximaler Intensität (106,3 dt/ha). An den Binnenlandstandorten erzielten die gesunden Sorten mit einer Fungizidmaßnahme über den gesamten Versuchszeitraum mit 97,6 dt/ha den maximalen bereinigten Ertrag. Höhere Fungizidintensitäten führten zu gleichen oder geringeren Erträgen in der gesunden Sorte. Am leichten Geeststandort führten die gegengerechneten Fungizidkosten in jeder Fungizidintensität zu Ertragsverlusten gegenüber der unbehandelten Kontrolle. Würden die Überfahrtskosten in den Berechnungen berücksichtigt, wäre der Mehrertrag der 3-fachen Fungizidanwendung an den Küstenstandorten wirtschaftlich nicht mehr wirksam, da er durch die zusätzlichen Kosten vollständig aufgebraucht würde. An den anderen Standorten würde der Vorteil der gesunden Sorten ebenfalls deutlicher ausfallen.

Trotz ausgeprägter Trockenheit in einzelnen Jahren der Versuchsreihen und entsprechend reduziertem Krankheitsdruck zeigen die Versuche ein konsistentes Bild. Die Ergebnisse werden durch weitere mehrjährige Versuchsreihen anderer Jahre unter unterschiedlichen Witterungsbedingungen bestätigt: Blattgesunde Sorten erreichen vor allem im Binnenland häufig bereits mit einer einmaligen Fungizidbehandlung die höchsten ökonomischen Erträge.

9-jährige Versuchsreihe: Gesunde Sorten benötigen nur eine Behandlung

In Abbildung 4A ist die Auswertung einer 9-jährigen Versuchsreihe (2017 - 2025) der Bezirksstelle Northeim an zwei Standorten (Höckelheim & Poppenburg) mit jeweils einer gesunden und anfälligen Sorte mit drei Fungizidintensitäten dargestellt. Beide Standorte haben eine Ackerzahl von ca. 85 und eine mittlere Niederschlagssumme von ca. 670 mm / Jahr im Versuchszeitraum. Die Sortentypen „anfällig“ vs. „gesund“ sind für vier ausgewählte Blattkrankheiten in Tabelle 4 beschrieben. Die gesunden Sorten sind gegenüber den anfälligen, durch eine bessere Resistenz insbesondere gegen Gelbrost, Braunrost und Septoria gekennzeichnet. Beim Mehltau besteht kein nennenswerter Unterschied in der Einstufung. Die Fungizidvarianten wurden analog zur Versuchsreihe Sorte x Fungizid umgesetzt, wie in Tabelle 2 dargestellt. Die Erträge in den unbehandelten Kontrollen lagen bei 89,9 dt/ha (anfällig) und 92,8 dt/ha (gesund). Das Befallsgeschehen war an beiden Standorten im Wesentlichen durch die Krankheiten Gelb- und Braunrost sowie Septoria-Blattdürre geprägt und ist eher als gering einzustufen. Der höchste bereinigte Ertrag liegt mit 96,7 dt/ha in den anfälligen Sorten mit drei Fungizidanwendung (BI: 2,3) lediglich um 1 dt/ha über dem Ergebnis der Variante mit einer Fungizidanwendung (BI:0,8). In den gesunden Sorten lag der bereinigte Ertrag in der Variante mit einer Fungizidanwendung über der Variante mit drei Fungizidanwendungen. Würden in die Betrachtung die betriebsindividuellen Überfahrtskosten mit einbezogen, wäre dieser Effekt noch deutlicher und die anfälligen Sorten mit drei Überfahrten grundsätzlich im Nachteil. Die maximale bereinigte Ertragsabsicherung durch Fungizide ggü. der Kontrolle lag in den gesunden Sorten bei 1,9 dt/ha bei einer Fungizidanwendung und in den anfälligen Sorten bei 7,8 dt/ha in der dreimaligen Fungizidanwendung. Unter den geprüften Bedingungen zeigt diese 9-jährige Versuchsreihe: Das notwendige Maß ist in gesunden Sorten erheblich geringer, ohne Rückgängen in der Wirtschaftlichkeit.

Tab. 4: Mittelwerte der Noten nach Bundessortenliste für zwei Sortentypen in der Versuchsserie "NOM – Sorte x Fungizid" über 9 Jahre

Sortentyp

Sortenalter

Mehltau

Septoria

Gelbrost

Braunrost

Mittel

anfällig

4,4 Jahre

2,7

4,7

4,7

4,0

4,0

gesund

1,8 Jahre

2,9

3,5

2,2

2,8

2,9

 

Abbildung 4: Ertragseffekte verschiedener Fungizidintensitäten in anfälligen und gesunden W-Weizensorten, 9-jährig, Süd-Niedersachsen
Abbildung 4: Ertragseffekte verschiedener Fungizidintensitäten in anfälligen und gesunden W-Weizensorten, 9-jährig, Süd-NiedersachsenDr. Hendrik Hanekamp

Resistente Sorten benötigen auch im Jahr 2024 nur eine Fungizidbehandlung!

Das Jahr 2024 war im Vergleich zu den Vorjahren durch einen frühen und hohen Krankheitsdruck insbesondere durch Braunrost gekennzeichnet. Nach den beschriebenen Ergebnissen der 9-jährigen Versuchsreihe liegt die Frage nahe: War auch im Jahr 2024 in gesunden Sorten die Einmalbehandlung ökonomisch am sinnvollsten? Dazu ist in Abbildung 4B der Versuch für das Jahr 2024, nach gleichem Muster wie die langjährige Auswertung, wieder mit zwei Standorten dargestellt: Auch im Jahr 2024 ist in der gesunden Sorte die Einmalbehandlung die wirtschaftlich sinnvollste Intensität. Es überrascht, dass im krankheistintensiven Jahr 2024 der abgesicherte Mehrertrag aufgrund der Fungizidkosten der drei Fungizidanwendungen zu einem geringeren bereinigten Ertrag geführt. Der Vorteil gesunder Sorten in krankheitsintensiven Jahren wie 2024 wird auch in der hohen Differenz zwischen den beiden Sortentypen in der unbehandelten Kontrolle sichtbar. Der genetisch bedingte Mehrertrag der gesunden Sorten liegt in der Kontrolle bei 9 dt/ha. Diesen Ertragsvorteil und die sichtbar größeren Ertragsschwankungen in der anfälligen Sorte ohne Fungizidschutz unterstreichen die Bedeutung einer gesunden Sorte für eine entspanntere Bestandesführung mit weniger Zeitdruck.

Selbstverständlich ist die Blattgesundheit nur ein Kriterium unter vielen bei der Sortenwahl. Dazu gehören die Backqualität, die Halmstabilität, die Resistenz gegen Halmbasiserkrankungen oder Ährenfusarium und auch die Winterhärte. Dennoch sollten bei der Sortenwahl die oben beschrieben positiven Ertragseffekte der Blattgesundheit immer einbezogen werden, um das notwendige Maß an Fungiziden so gering wie möglich zu halten.

Wie erkenne ich gesunde Sorten?

Bei der Sortenwahl sollten regelmäßig neue junge Sorten in den Blick genommen werden, da diese grundsätzlich gesünder sind als ältere Sorten. In den oben beschriebenen Versuchen sind gesunde Sorten durch die 3&3 Regel definiert. Sie lautet wie folgt: Gesunde Sorten sollten in der Beschreibenden Sortenliste bei den 4 Blattkrankheiten (Gelb- und Braunrost, Mehltau und Septoria) im Mittel mit Note 3 oder niedriger eingestuft und im Aussaatjahr nicht älter als drei Jahre sein. Diese Charakterisierung des Sortentyps „gesund“ hat sich in mehrjährigen Versuchen unter niedersächsischen Bedingungen bewährt. Je jünger die Sorte, desto weniger Zeit hatten insbesondere die Rostpilze die Sortenresistenzen durch Anpassung zu überwinden. Dieser Sortentyp „gesund“ erzielte mit einer Fungizidanwendung eines breit wirksamen Azol-Carboxamid Produktes im Fahnenblattstadium sowohl in mehrjährigen Versuchen als auch unter dem hohem Befallsdruck im Einzeljahr 2024 gute Ergebnisse. In Tabelle 5 sind Sorten aufgeführt, die nach der genannten 3&3 Regel im Aussatjahr 2025 nach der Bundessortenliste 2025 als gesund eingestuft wurden. Berücksichtig wurden Sorten mit einer Vermehrungsfläche von über 100 ha (Die Tabelle wird für das Aussatjahr 2026 aktualisiert, sobald die Bundessortenliste 2026 vorliegt). Die Versuche belegen, dass insbesondere eine gute Resistenz gegen Gelb- und Braunrost deutliche Einsparungen bei Fungiziden bei höchsten ökonomischen Erträgen ermöglicht.

Fazit: Schnell gelesen

Gesunde Weizensorten sind der wichtigste Baustein des integrierten Pflanzenschutzes. Mehrjährige Versuche zeigen, dass sie Erträge besser absichern, den Fungizidbedarf senken und besonders in Jahren mit hohem Krankheitsdruck wirtschaftliche Vorteile bieten. Der züchterische Fortschritt hat die Blattgesundheit der Weizen-Sorten deutlich verbessert. Vor allem die Resistenz gegen Gelb- und Braunrost ermöglicht eine wirksame Krankheitsvorbeuge bereits vor der Aussaat. In den Versuchen erzielten gesunde Sorten häufig mit einer einzigen Fungizidbehandlung die höchsten ökonomischen Erträge. Zusätzliche Behandlungen führten oft nicht zu einem wirtschaftlichen Mehrwert. Für die Praxis bedeutet das: Junge, blattgesunde Sorten reduzieren Risiko, Arbeitsaufwand und Fungizideinsatz. Der wirksamste Pflanzenschutz beginnt daher mit der Sortenwahl.

Tabelle 4: Gesunde Sorten nach der 3x3 Regel: Notenmittelwert der Blattkrankheiten ist ≤3 und die Sorte ist im Aussaatjahr 2025 nicht älter als 3 Jahre. Berücksichtigt sind Sorten mit >50 ha Vermehrungsfläche in Deutschland, Quelle: Bundessortenliste 2025
Tabelle 5: Gesunde Sorten nach der 3x3 Regel: Notenmittelwert der Blattkrankheiten ist ≤3 und die Sorte ist im Aussaatjahr 2025 nicht älter als 3 Jahre. Berücksichtigt sind Sorten mit >50 ha Vermehrungsfläche in Deutschland, Quelle: Bundessortenliste 2025Dr. Hendrik Hanekamp

Zwei benachbarte Getreidefelder, links grün und rechts gelblich, unter bewölktem Himmel.
Sorteneffekt auf Gelbrost: links resistente Sorte, rechts anfällige SortePetra Henze