Pflanzenschutzdienst

Laubkrankheiten in Möhren – Blattflecken und Echter Mehltau als gemischtes Doppel

Webcode: 01040717 Stand: 24.06.2022

In früheren Jahren waren in Norddeutschland Blattflecken die vorherrschende Krankheit im Möhrenlaub, während in Süddeutschland Echter Mehltau an erster Stelle stand. Die trockenen Jahre 2018 bis 2020 haben aber mittlerweile auch in Norddeutschland zu einem verstärkten Auftreten von Echtem Mehltau geführt.

Wichtig ist das Erkennen erster Befallssymptome auf dem Feld und die entsprechende Gestaltung der Fungizidstratgie.

Gesundes Möhrenlaub
Gesundes Laub ist wichtig für einen guten Ertrag bei MöhrenUlrike Weier

Rechtzeitig das Laub mit kontrollieren

Die Trockenheit im April/Mai verbunden mit niedrigen Nachttemperaturen hat vielerorts zu einem zögerlichen Auflauf der Möhren geführt. In vielen Fällen sind später ausgesäte Flächen deutlich besser aufgelaufen als frühe Aussaaten. Aktuell sind viele Bestände noch klein und Fungizidmaßnahmen noch nicht erforderlich. Ab Mitte/Ende Juni sollte man aber doch bei den regelmäßigen Bestandskontrollen verstärkt auch das Möhrenlaub mit einbeziehen. Kontrollen sollten bei bedecktem Himmel und trockenen Pflanzen stattfinden. Dann sind die Anfangssymptome am besten zu erkennen.

Welche Erreger stehen hinter den Krankheiten? 

Blattflecken im Möhrenlaub werden überwiegend durch den Erreger der Möhrenschwärze (Alternaria dauci) und den Pilz Cercospora carotae hervorgerufen. Echter Mehltau an Möhren wird durch Erysiphe heraclei verursacht. Die Ansprüche der Erreger an die Feuchtigkeit sind unterschiedlich. Die Blattfleckenerreger brauchen über mehrere Stunden hinweg feuchte/nasse Blätter, während Echte Mehltaupilze nicht auf freies Wasser auf den Blättern angewiesen sind. Für sie ist eine hohe Luftfeuchtigkeit über mehrere Stunden ausreichend. Je nach Jahreswitterung kommt es daher zu dem unterschiedlich starken Auftreten von Blattflecken und/oder Echtem Mehltau.                                                                      

Befallsbeginn Blattflecken
Anfangsbefall mit Alternaria und Cercospora Ulrike Weier

 

Befallsbeginn Echter Mehltau
Anfangsbefall mit Echtem Mehltau Ulrike Weier

 

 

                                                                   

 

 

 

 

 

 

 

 

Anfangssymptome richtig erkennen

Kleine braune unregelmäßigen Flecken an den Fiederblättern älterer Blätter sind die ersten Symptome der Möhrenschwärze Alternaria dauci. Die Flecken breiten sich auf den Blättern und
den Stängeln aus, diese sterben ab und wirken teilweise schwarz wie verbrannt.
Cercospora-Blattflecken sind eher rundlich und treten mehr an den etwas jüngeren Blättern auf. Beide Erreger sind auf dem Feld optisch nicht zu unterscheiden. Häufig treten sie auch als Mischinfektionen auf. Fungizide gegen Alternaria wirken auch gegen Cercospora.

Kleine weiße Pusteln auf der Oberseite der älteren Blätter sind die ersten Anzeichen für Echten Mehltau. Die Flecken breiten sich rasch aus und schließlich ist das gesamte Blatt von einem weißen Belag überzogen. Die jüngeren Blätter sind noch grün. Stark befallene Blätter sterben ab. Bei frühem und starkem Befall treiben stark geschädigte Pflanzen oft im September noch einmal aus und wirken dann grüner als die Bestände, deren Laub länger gesund geblieben ist. Dieser Neuaustrieb kostet die Pflanzen natürlich viel Kraft.

Fungizidmaßnahmen rechtzeitig starten

Behandlungen sollten beim Auftreten der ersten Symptome beginnen. Je nachdem, ob es sich um Kontaktfungizide (bilden einen Belag auf der Blattoberfläche, regnen ab, Neuzuwachs ist nicht geschützt), translaminare Wirkstoffe (dringen in das Blatt ein und regnen daher nicht ab, werden aber nicht in den Neuzuwachs verlagert) oder systemische Wirkstoffe (werden aufgenommen und mit dem Saftstrom auch in den Neuzuwachs verlagert) handelt, müssen in Abhängigkeit von Pflanzenwachstum, Witterung und Befallsverlauf Folgebehandlungen stattfinden. Grundsätzlich sollte die Mittelmenge gegenüber der Zulassung nicht reduziert werden.

In der Tabelle im Downloadbereich am Ende des Artikels sind die derzeit in Möhren zugelassenen Fungizide aufgelistet.

Gegenüber der Saison 2020/21 gibt es einige neue Mittel. Teilweise sind diese Mittel aber von den Wirkstoffen und der Zulassung her vergleichbar mit bereits seit Langem in der Kultur nutzbaren Präparaten. So gibt es allein 8 Präparate mit dem Wirkstoff Azoxystrobin, die damit mehr oder weniger dem altbekannten Ortiva entsprechen. Mit Bigalo und Cobalt sind zwei Mittel hinzugekommen, die baugleich sind mit Signum und Ditto 25 EC entspricht Score. Bei der Gestaltung der Spritzfolgen muss darauf Rücksicht genommen werden, denn ein Wechsel zwischen diesen Mitteln bedeutet keinen Wirkstoffwechsel! Die Wirkstoffgruppen der Mittel finden Sie in der Tabelle in der zweiten Spalte. Unterschiedliche Nummern bedeuten unterschiedliche Wirkstoffgruppen. Strobilurine (FRAC-Code 11) und SDHI (FRAC-Code 7) sind besonders resistenzgefährdete Wirkstoffe und sollten in einer Spritzfolge nur einmal eingesetzt werden. Nicht resistenzgefährdet sind z.B. die Kontaktwirkstoffe Kupfer und Schwefel.

Neue Fungizide sind Banjo (wird vermarktet als Carneol) und Scala. Banjo enthält den Wirkstoff Fluazinam. Das Mittel ist nicht systemisch und wirkt nur protektiv. Der Wirkstoff hat den FRAC-Code 29. Er unterbricht die Atmungsaktivität und verhindert damit die Sporenkeimung und -entwicklung. Die Einhaltung der Rückstandshöchstgehalte ist nicht immer gewährleistet.

Scala enthält den Wirkstoff Pyrimethanil. Der Wirkstoff gehört zu den Anilino-Pyrimidinen (FRAC-Code 9) und damit in eine Gruppe mit Cyprodinil (enthalten in Switch). Scala ist ein Kontaktfungizid mit translaminarer Wirkung und sollte vorbeugend eingesetzt werden.

Neu sind auch FytoSave, Romeo, Taegro und Serenade ASA (sogenannte „Biologica“) mit Wirkstoffen aus dem Bereich der Resistenzinduktoren oder mikrobielle Substanzen.

Fungizidstrategie richtig planen

Bei der Planung der Fungizidstrategie sollten neben dem Wirkstoffwechsel noch weitere Aspekte berücksichtigt werden:

Die Wassermenge für die Behandlungen muss an das Laubwachstum angepasst werden. Gerade bei den Behandlungen im August/September ist das Laub oft sehr dicht und mit den in der Landwirtschaft üblichen geringen Wassermengen wird es nur unzureichend benetzt. Bei Möhren sollten für die erste Behandlung mindestens 400 l Wasser, bei späteren Behandlungen mindestens 600 l Wasser/ha eingesetzt werden.
Teilweise können in der Folgekultur über mehrere Jahre hinweg Rückstände bestimmter Wirkstoffe nachgewiesen werden. Aktuell sollten auf einer Fläche nach dem Einsatz von Fluopyram (enthalten in dem Mittel Luna Experience) im selben und in den Folgejahren kein Stangensellerie, Fenchel und Gewürzkräuter angebaut werden. In diesen Kulturen kann es zu Überschreitungen des Rückstandshöchtgehaltes (RHG) von 0,01 bzw. 0,05 mg/kg kommen. Auch in anderen Gemüsekulturen, frischen Kräutern, Arzneipflanzen und Teekräutern kann es zu Wirkstoffnachweisen ohne Überschreitung des RHG kommen.

Fazit

  • Regelmäßige Bestandskontrollen ab Mitte/Ende Juni durchführen
  • Behandlung ab Befallsbeginn
  • Folgebehandlungen je nach Mittel, Witterung, Wachstum und Befallsdruck durchführen
  • Auf Wirkstoffwechsel in der Fungizidstrategie achten, stark resistenzgefährdete Wirkstoffe nur einmal einsetzen
  • Wassermenge an die Laubentwicklung anpassen, mind. 400 l/ha, später 600 l/ha
  • Mittelaufwand nicht reduzieren

Kontakte


Ulrike Weier

0511 4005-2112

ulrike.weier~lwk-niedersachsen.de

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