Pflanzenschutzdienst

Aktuelle Ergebnisse Schilf-Glasflügelzikaden-Monitoring und Notfallzulassungen in Pflanzkartoffeln

Webcode: 01044415
Stand: 01.07.2026

Die Flugaktivität der Schilf-Glasflügelzikade wird in Niedersachsen auf 91 Standorten durch den Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen überwacht. Hinzu kommen 70 Standorte der Nordzucker AG und vier Standorte der Firma UBS. 

Die aktuellen Monitoring-Ergebnisse sind für jeden unter www.isip.de/isip/schilf-glasfluegelzikade frei zugänglich.

In der KW 23 wurde in diesem Jahr auf einem Standort in der Gemarkung Dettum eine erste Schilf-Glasflügelzikade gefunden. In der KW 24 kamen wenige Tiere an verschiedenen Standorten hinzu. Leider haben die Fangzahlen in der KW 25 deutlich zugenommen und sich in der KW 26 bestätigt. An einzelnen Standorten in den Landkreisen Helmstedt, Wolfenbüttel und der Stadt Braunschweig wurden in Summe mehr als 10 bzw. 20 Tiere in einer Woche gefangen. Fänge auf geringerem Niveau konnten auch an Standorten im Landkreis Goslar und dem Südkreis Gifhorn festgestellt werden. Im überwiegenden Teil dieser Zikaden konnte der Erreger Arsenophonus nachgewiesen werden, auf geringerem Niveau auch das Stolbur-Phytoplasma. Erste Funde gibt es auch für einen Standort der Stadt Salzgitter, dem Landkreis Peine und einen in der Region Hannover. Außerhalb dieser Landkreise oder kreisfreien Städte gibt es aktuell keine Funde.

Aufgrund der Befallslage und der besonderen Situation bei Pflanzkartoffeln erfolgt hiermit ein Warndienstaufruf für Pflanzkartoffeln in den Landkreisen Helmstedt, Wolfenbüttel und Goslar sowie der kreisfreien Stadt Braunschweig. Damit besteht für Pflanzkartoffelflächen in diesen Landkreisen die Möglichkeit einer Behandlung entsprechend der Anwendungsbestimmungen und der unten genannten Hinweise. Als Pflanzkartoffeln gelten nur Vermehrungsflächen, die im Rahmen der amtlichen Anerkennung angemeldet wurden. Der Warndienstaufruf gilt auch für die entsprechenden Pflanzkartoffeln im ökologischen Landbau. Betriebe mit Flächen in den aufgeführten Landkreisen müssen nicht zwingend Insektizidmaßnahmen durchführen.

Insektizidstrategie gegen Schilf-Glasflügelzikaden in Pflanzkartoffeln

Gegen die Schilf-Glasflügelzikade als Bakterienvektor kann eine Behandlung auf Grundlage folgender bundeseinheitlich abgestimmter Behandlungsstrategie erfolgen:

  1. Behandlung: Mospilan SG/Danjiri 0,25 kg/ha + Pyrethroid*
  2. Behandlung (10-12 Tage später): Sivanto Prime 0,5 l/ha + Pyrethroid*
  3. Behandlung (10-12 Tage später): Danjiri/Mospilan SG 0,25 kg/ha

*Decis forte, Karate Zeon, Nuyard, Sumicidin Alpha EC (weitere Infos siehe unten und Tabelle1 und 2 im Anhang)

Da Pflanzkartoffeln üblicherweise mit Insektiziden gegen Blattläuse als Virusvektoren behandelt werden, wird die oben genannte Behandlungsstrategie in der Regel in die bestehende Strategie integriert.

Wenn Sie z.B. aktuell im Abstand von 10–14 Tagen systemische Mittel verwendet haben, ist es möglich gegen die Zikaden eine Behandlung mit 0,5 l/ha Sivanto Prime gemischt mit z.B. 0,075 l/ha Karate Zeon einzubauen. Alternativ können Sie auch dem ohnehin gegen Blattläuse als Virusvektoren eingeplanten systemischen Mittel ein Pyrethroid zusetzen, also z.B. 0,25 kg/ha Mospilan SG + Pyrethroid. Die Behandlung ist dann entsprechend fortzusetzen. Sind bei Ihnen keine weiteren Behandlungen gegen Blattläuse als Virusvektoren geplant (z.B. aufgrund hoher Virusresistenzen in den angebauten Sorten), können Sie die oben genannte Behandlungsstrategie wie aufgeführt umsetzen.

Dieser Warndienstaufruf gilt für alle möglichen drei Behandlungen.

Bei der Anwendung ist zwingend zu beachten:

Im ökologischen Landbau können die Bestände zur Pflanzguterzeugung mit dem Produkt Neudosan Neu mit einer max. Aufwandmenge von 6,0 l/ha behandelt werden. Das Produkt kann in dieser Indikation maximal fünfmalig im Abstand von 7 Tagen eingesetzt werden.