Pflanzenschutzdienst
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Fungizideinsatz im Winterweizen – Strategien für die Küstenregion 2022

Die aktuelle politische Situation wirkt sich mittlerweile auf alle Lebensbereiche aus, neben bisher ungeahnten Preissteigerungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse sind auch die Kosten für Betriebsmittel stark gestiegen. Hier werden sich erst noch neue Gleichgewichte einstellen müssen. Insgesamt wird die Versorgungssicherheit neben dem Weg zu einer nachhaltigeren Produktion wieder einen höheren Stellenwert erhalten. Welche Auswirkungen diese Gemengelage auf zukünftige Vorgaben im Agrarrecht, z.B. das Förderrecht oder auch auf die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln haben wird, ist aktuell kaum abschätzbar.

Die Handlungsmöglichkeiten im Pflanzenschutz werden durch die EU-Ziele zur Reduktion des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel und einhergehend im Bereich der Wirkstoffgenehmigung auf EU-Ebene deutlich eingeschränkt. Vor diesem Hintergrund finden sich immer zahlreicher sogenannte Biologica am Markt: Darunter gibt es in der Kategorie der Biostimulantien Pflanzen- und Bodenhilfsstoffe (düngerechtlich geregelt), welche z.B. die Toleranz gegenüber abiotischem Stress oder die Effizienz der Nährstoffverwertung in der Pflanze positiv beeinflussen sollen. Demgegenüber sollen Pflanzenstärkungsmittel (pflanzenschutzrechtlich geregelt) u. a. der Gesunderhaltung der Pflanze dienen. An der unterschiedlichen rechtlichen Einordnung und der Fülle der neuen Produkte ist bereits erkennbar, wie schwierig hier eine fachliche Einordnung fällt, insbesondere im Bereich der Krankheitsbekämpfung im Wintergetreide. Hier gilt es noch weitere Erfahrungen zu sammeln, insbesondere im System des integrierten Pflanzenschutzes, wo der Ansatz der Krankheitsvermeidung eine zentrale Rolle spielt. Hier ist vor allem die zunehmende Blattgesundheit des Sortenspektrums und der Einsatz von Prognosemodellen, wie z.B. ISIP, eine wertvolle Basis.

 

Wirkstoffe und Aktuelles zu Fungiziden in Winterweizen

Im Bereich der Bekämpfung von pilzlichen Schaderregern im Winterweizen steht uns jedoch noch eine vergleichsweise hohe Anzahl an Wirkstoffen zur Verfügung, obwohl aktuell nur noch Folpet als septoriawirksamer Kontaktwirkstoff zur Unterstützung des Resistenzmanagements bleibt. Deutliche Entlastung brachte die Zulassung des neueren Azolwirkstoffs Mefentrifluconazol (Revysol), welcher den Wechsel septoriawirksamer Azolwirkstoffe in Spritzfolgen ermöglicht. Darüber hinaus wird der zukünftige Wegfall weiterer Wirkstoffe aus der Gruppe der Triazole und Imidazole, wie u.a. Prochloraz mit den Präparaten Ampera, Kantik und Mirage etwas abgefedert. Für alle drei Mittel gilt eine Abverkaufsfrist bis zum 30.06.2022 und eine Aufbrauchsfrist bis zum 30. Juni des nächsten Jahres. Die wesentliche Neuzulassung 2022 ist die Zulassung von Univoq, der Kombination aus 100 g/l Prothioconazol mit 50 g/l Fenpicoxamid (Inatreq). Der Wirkstoff Fenpicoxamid ist neu und wird einer eigenen Wirkstoffgruppe, den Picolinamiden zugeordnet. Der Ausgangsstoff ist das Stoffwechselprodukt eines Bodenbakteriums, welcher durch eine Modifikation in den stabilen Wirkstoff überführt wird. Der Wirkstoff greift in die Atmungskette des Pilzes ein (QiI = Quinone inside Inhibitor). Kreuzresistenzen zu anderen Wirkstoffgruppen sind nicht bekannt. Allerdings greift der Wirkstoff vergleichbar wie die Strobilurine und Carboxamide nur an einem Wirkort des Schaderregers ein, ist deshalb ebenfalls resistenzgefährdet und sollte daher immer in Kombinationspräparaten oder Mischungen mit Azolen und/oder Kontaktmitteln eingesetzt werden. Univoq hat im Weizen außer auf Halmbruch eine breite Zulassung, darf allerdings erst nach dem Fahnenblattstadium ab BBCH 41 (Beginn Ährenschwellen) eingesetzt werden.

Da die Triazole die Basis der Pilzbekämpfung im Getreide bilden, müssen die wenigen verbliebenen Wirkstoffe, insbesondere in den Marschgebieten mit höherem Befallsdruck bei Septoria (Zymoseptoria tritici), bereits jetzt in eine umfassende Strategie zur Krankheitsbekämpfung, die alle integrierten Möglichkeiten so gut wie möglich ausschöpft, eingebettet werden. Zunächst können pflanzenbauliche Maßnahmen wie Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Aussatttermin und vor allem die Sortenwahl den Infektionsdruck möglichst geringhalten. Beim Fungizideinsatz gegen Septoria ist ein zukunftsgerichtetes Wirkstoffmanagement nötig, um mit den zur Verfügung stehenden Wirkstoffen eine dauerhaft sichere Krankheitsbekämpfung zu ermöglichen.

 

Die Ergebnisse aktueller Resistenzuntersuchungen belegen neben dem Shifting der Azolwirkstoffe, welches zu einem schleichenden Wirkungsverlust führt, auch das Auftreten einzelner, resistenter Septoria-Stämme im Hinblick auf die Wirkstoffgruppe der Carboxamide. Bisher ist noch keine nennenswerte Verbreitung in Praxisflächen bekannt, so dass in unserer Region noch kein wahrnehmbarer Wirkungsverlust in der Fläche beobachtet werden konnte. Dennoch müssen diese Ergebnisse zu einem Resistenzmanagement bei der Septoriabekämpfung führen:

 

Kasten: Grundsätze des Fungizideinsatzes im Rahmen des Resistenz-managements bei der Septoriabekämpfung

  • Carboxamide, Fenpicoxamid und Strobilurine maximal einmalig in der Vegetation in Kombination mit einem geeigneten Mischpartner in BBCH 39-51 anwenden, möglichst mit Azol-Nachlage auf den gleichen Blattetagen
  • Wirkstoffwechsel bei Azolen in Spritzfolgen
  • Nutzung von Kontaktfungiziden
  • Einsatz von Prochloraz gegen spezialisierte Septoriarassen
  • Kurativleistung der Wirkstoffe nicht überfordern
  • Verteilung und Benetzung optimieren (Wasseraufwandmenge > 200 l/ha)

 

Bei dem verbleibenden Kontaktwirkstoff Folpet sind bisher keine Resistenzen aufgetreten und auch nicht zu erwarten. Der Grund dafür sind die vielen unspezifischen Wirkorte dieses Mittels im Pilzorganismus (Multisite-Inhibitor), die dem Pilz eine Anpassung erschweren. Der Einsatz dieses Wirkstoffes hat in den letzten Jahren zu annehmbaren Bekämpfungserfolgen geführt, so dass bei Vorhersage wechselhafter Witterung ein Einsatz sinnvoll ist, um den Befallsdruck niedrig zu halten und die übrigen Wirkstoffgruppen zu entlasten. Darüber hinaus werden weitere Alternativen mit Kontaktwirkung auf Kupfer- und Schwefelbasis geprüft. Im weiteren Vegetationsverlauf ist insbesondere auf den einmaligen Einsatz der Carboxamide ab dem Fahnenblattstadium zu achten. Diese hoch und langanhaltend wirksamen, aber auch sehr resistenzgefährdeten Wirkstoffe können nur dann ihr Wirkpotential voll ausschöpfen, wenn sie auf den voll entwickelten Blattapparat appliziert werden (ab BBCH 39). In Fällen einer Dreifachbehandlung sichert die Abschlussbehandlung mit einem weiteren Azol die Wirkung des Carboxamids ab und verhindert zusätzlich die Auslese resistenter Pilzstämme. Dabei sollte in den Spritzfolgen ein Wirkstoffwechsel zwischen den verfügbaren Azolen (Prochloraz – Prothioconazol – Revysol – Difenoconazol) vollzogen werden.

 

Aktuelle Bestandesentwicklung

Die meisten Winterweizenbestände präsentieren sich verhalten entwickelt in der Hauptbestockung, der Schossbeginn wird in der Regel noch nicht erreicht. Die witterungsbedingt verzögerte Ernte und die Herbstniederschläge haben vielfach spätere Aussaattermine in 2021 bedingt, eine verhaltene Herbstentwicklung war in der Regel die Folge. Da der vergangene Winter überdurchschnittlich warm war, kam es zu keiner Vegetationsruhe und die Winterweizenbestände konnten über Winter den Entwicklungsrückstand aufholen. Im Februar wurde es sehr nass, gebietsweise fielen bis zu 200 mm Niederschlag, so dass regional Sauerstoffmangel für Stress in den Beständen sorgte. Aktuell bremsen kühle Temperaturen die Entwicklung aus. Der Ausgangsbesatz mit Septoria ist vielfach etwas geringer als im Vorjahr, frühere Saaten in Ostfriesland zeigen aber auch höheren Ausgangsbefall. Gelbrost tritt bereits auf niedrigem Niveau, vorrangig in den westlichen Marschgebieten, auf.

 

Krankheitserreger im Fokus

Die über die Jahre wirtschaftlich bedeutsamste Krankheit im Winterweizen bleibt, neben einzelnen Gelbrostjahren, die Blattseptoria. Mehltau hat in den Küstenregionen nur selten eine Bedeutung. Für die erfolgreiche Septoriabekämpfung ist das Zusammenspiel von Pflanzenentwicklung (Beginn erster Maßnahmen ab BBCH 31/32 – Schieben von F-2 als erste ertragsrelevante Blattetage), Ausgangsbefall auf der Pflanze und der Witterung entscheidend. Für die Verbreitung im Bestand sind längere Perioden niederschlagsreicher Witterung notwendig. Die von Septoria gebildeten Pyknosporen können nur über Regentropfenspritzer auf höher gelegene Blattetagen gelangen und benötigen danach für eine Infektion eine Mindestblattnässedauer von 36 Stunden, bei kühleren Temperaturen bis zu 48 Stunden. Die Tücke des Erregers besteht in seiner langen Latenzzeit von 3-4 Wochen, d.h. beim Auftreten erster Blattflecken hat sich der Pilz bereits im Pflanzengewebe ausgebreitet und neues Sporenmaterial vorbereitet. Eine erfolgreiche Bekämpfung muss sich daher am Infektionstermin orientieren, da bei Sichtbarwerden der Symptome keine Bekämpfung mehr über kurativ (heilend) eingesetzte Fungizide erfolgen kann. Darüber hinaus hat die kurative Leistung der Fungizide in den letzten Jahren deutlich nachgelassen (Azolshifting), so dass bei erfolgten Infektionsereignissen spätestens nach 2-3 Tagen (Azole) bzw. 5-6 Tagen (Azol-Carboxamidkombinationen) behandelt werden muss. Für die Erfassung von Infektionsereignissen werden mittlerweile Prognosemodelle, z.B. über ISIP, mit guten Erfahrungen als Entscheidungshilfe eingesetzt. Über das relativ einfach anwendbare Modell „SIG-Getreide“ (Schaderreger-Infektions-Gefahr) werden auf der Basis regionaler Wetterdaten die täglichen Infektionsbedingungen für die wichtigsten Blattkrankheiten in Wintergetreide berechnet und angezeigt. Darüber hinaus gibt es zur speziellen Prognose und Befallsentwicklung von Septoria tritici in Winterweizen das Modell „SEPTRI“. Es berechnet, ob die Wetterbedingungen (Temperatur, Niederschlag, relative Luftfeuchtigkeit, Blattnässe) für Neuinfektionen durch Septoria günstig waren und ob eine Erstinfektion auf den oberen drei Blattetagen (F-0 bis F-2) stattgefunden hat. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.isip.de. Diese Entscheidungshilfen stehen allen Beziehern des Hinweisdienstes der Bezirksstellen kostenlos zur Verfügung. Gelbrost hat sorten- und jahresabhängig immer wieder eine größere Bedeutung, erfreulicherweise bietet das Sortenspektrum mittlerweile eine Vielzahl anbauwürdiger, gelbrostgesunder Sorten an.

Neben Gelbrost und Septoria kann regional, je nach Witterungsgeschehen und Fruchtfolgegestaltung, auch Halmbruch von Bedeutung sein. Begünstigende Faktoren sind Getreidevorfrucht, ein früher Saattermin, langsame Strohrotte, eine anfällige Sorte, langsam abtrocknende Böden und längere Feuchte- und Regenperioden zwischen BBCH 23 und 32. Die Sortenanfälligkeit ist ebenfalls zu beachten. Viele aktuell stärker im Anbau befindliche Sorten zeichnen sich nämlich durch eine höhere Anfälligkeit aus, z.B. Kashmir, Porthus, KWS Talent, Knut. Weitere wichtige Einflüsse gehen vom Befall der Vorjahre und der Vorfruchtkombination der beiden Vorjahre aus. Aufgrund des späteren Abreifetermins besteht für den Winterweizen ein höheres Schadpotential als für Triticale und Winterroggen. Eine optimale Bestandesführung mit kräftig entwickelten Trieben wirkt einer Schädigung durch vorzeitige Weißährigkeit oder Lager entgegen. In der Regel ist die Nebenwirkung einer frühen Blattbehandlung in BBCH 31-32 ausreichend. Aufgrund der feuchten Herbst- und Winterwitterung könnte das Risiko in diesem Frühjahr erhöht sein, allerdings können die späteren Saattermine auch zu geringerem Befall führen. Die Bezirksstellen werden üblicherweise mit aktuellen Untersuchungen eine Halmbruchprognose in den regionalen Warndiensten veröffentlichen. Falls erforderlich, können halmbruchorientierte Maßnahmen in BBCH 31/32 mit den Wirkstoffen Cyprodinil (Unix) oder Prothioconazol (Proline) mit 80% der zugelassenen Aufwandmenge erfolgen. Der Einsatz von Metrafenone (Flexity) wäre ebenfalls denkbar.

 

Versuchsergebnisse und Fungizidempfehlungen

Das in Abb.1 dargestellte Versuchsergebnis aus dem Vorjahr soll eine Einordnung der Wirkungspotenz des neuen Wirkstoffs Fenpicoxamid im Präparat Univoq ermöglichen. Der Ausgangsbefall mit Septoria tritici war in der anfälligen Sorte LG Imposanto hoch. Trotz zahlreicher Infektionsmöglichkeiten im Mai baute sich jedoch kein Starkbefall auf. Ursächlich könnte die verzögerte Entwicklung des Weizens bei den kühlen Temperaturen im Frühjahr 2021 gewesen sein. Das F-2 war bei den Infektionen um die Monatswende Mai noch wenig geschoben, so dass dieses Blatt erst durch die Blattnässeperiode Mitte Mai stärker infiziert wurde. Diese Infektionen wurden ab dem 04. Juni sichtbar. Das Fahnenblatt blieb fast befallsfrei, weil es zum Zeitpunkt der Infektionen Ende Mai erst zu schieben begann. Die Bonitur von F-1 am 30.06. zeigt eine gute Befallsminderung durch die in BBCH 39 auf das Fahnenblatt eingesetzten Fungizide. Trotz des niedrigen Befalls und des schnellen Abreifebeginns des Weizens in der ersten Julidekade war eine Ertragsabsicherung (durchschnittlich 8,9 dt/ha) durch den Fungizideinsatz gegeben (Abb. 2), diese war in der Regel auch wirtschaftlich.


Abb. 1 Bonituren Fungizidvergleich Abschlussbehandlung
Abb. 1 Bonituren Fungizidvergleich AbschlussbehandlungLüder Bornemann
Abb. 2_Erträge Fungizidvergleich Abschlussbehandlung
Abb. 2_Erträge Fungizidvergleich AbschlussbehandlungLüder Bornemann

 

 

 

 

 

 

 

 

Fungizidempfehlung Marsch 2022

Es ist davon auszugehen, dass in gering bis mittel anfälligen Sorten eine kurative Leistung der Azolfungizide von maximal 5 Tagen gegen Septoria besteht. Daher muss die Behandlung mit in Abbildung 3 aufgeführten Mitteln ab dem Schieben von F-2 (BBCH 31/32 = T1) jeweils spätestens fünf Tage nach einer 36 stündigen Blattnässedauer erfolgen. Bei Sorten mit hoher Anfälligkeit gegen Septoria verkürzt sich die oben genannte Behandlungszeitspanne auf maximal 3 Tage nach nur einer 24 stündigen Blattnässedauer. Bei sichtbarem Gelbrost sollte in anfälligen Sorten die Rostwirkung mit Teilmengen tebuconazolhaltiger Präparate verstärkt werden. Eine Zugabe von Folpan 500 SC 1,2-1,5 l/ha sichert bei nachfolgender unbeständiger Witterung die protektive Wirkung gegen weitere Septoriainfektionen mit ab. Bei hohem Ausgangsbefall in einer anfälligen Sorte und angekündigten langanhaltenden Niederschlägen, sollte neben dem Kontaktwirkstoff Folpet der Wirkstoff Revysol zum Einsatz kommen (mind. 1,0 l/ha Revystar).

Der Zeitraum der Blattbildungsphase der letzten drei ertragsrelevanten Blätter (BBCH 31/32 bis 39) kann, je nach Aussaatdatum, Herbst- und Frühjahreswitterung von 10 bis über 30 Tage variieren, so dass bei einer Wirkungsdauer der Fungizide von 10 bis maximal 14 Tagen eine Lücke entstehen kann. Daher sollte die erste Behandlung, sofern das Infektionsgeschehen in Verbindung mit der Sortenanfälligkeit es zulässt, nicht zu früh platziert werden. Möglicher Befall auf dem dritten Blatt ist weitaus weniger ertragswirksam, als auf dem Fahnenblatt.

 

Sorteneinfluss auf die Fungizidstrategie

Welchen Einfluss die Sortenanfälligkeit auf die Fungizidstrategie haben kann, zeigte das Ergebnis eines zweifaktoriellen Versuches in 2019, wobei über die drei Winterweizensorten Kamerad (septoriagesund), KWS Talent (mittel anfällig) und LG Imposanto (anfällig) ein Fungizidintensitätsversuch gelegt wurde. Die Sorten wurden in 3 m breiten Streifen mit jeweils zwei Wiederholungen nebeneinander ausgedrillt. Die Parzellenanlage erfolgte randomisiert mit jeweils zwei Wiederholungen in jedem Sortenstreifen. Ziel der Versuche war es, die notwendige Fungizidintensität in den unterschiedlich anfälligen Sorten über die Anzahl der Behandlungen und den Einsatz von unterschiedlichen Wirkstoffen (Azole und Carboxamide) auf Septoria aufzuzeigen. Der Ausgangsbesatz mit Septoria war sortenabhängig mittel bis hoch, es gab nach dem Prognosensystem „SIG-Getreide“ (ISIP) nur 3 Infektionsmöglichkeiten, die in der anfälligen Sorte LG Imposanto aber zu starkem Befall auf dem zweiten und dritten Blatt führten. Hier reichte der zweimalige Einsatz von Azolen zur Ertragsabsicherung nicht aus. Diese Ergebnisse unterstreichen wiederholt die Bedeutung der Sortenwahl als einen wichtigen Schlüssel zur Umsetzung des Integrierten Pflanzenschutzes und dieses umso mehr vor dem Hintergrund wegfallender Wirkstoffe und zunehmender Resistenzen bei pilzlichen Schaderregern.

 

Sobald der Blattapparat vollständig ausgebildet ist, kann mit Carboxamiden oder dem neuen Fenpicoxamid in Kombination mit Azolen gearbeitet werden. Bei anhaltend hohem Infektionsdruck ist auch zu diesem Zeitpunkt noch die Zumischung von Folpan 1,2-1,5 l/ha sinnvoll. Sofern das Risiko für eine Fusariuminfektion in der Blüte durch pflanzenbauliche Voraussetzungen gering ist (resistente Sorte, Rapsvorfrucht, angepasste Bodenbearbeitung), kann diese Behandlung bereits als Abschlussmaßnahme erfolgen. In diesem Falle müssen solide Aufwandmengen gewählt werden, um einen ausreichenden Dauerschutz gewährleisten zu können.

Ist das Risiko einer Fusariuminfektion zur Weizenblüte gegeben (mittel anfällige Sorte, Mais- oder Getreidevorfrucht, reduzierte Bodenbearbeitung), muss eine Abschlussbehandlung in diesem Zeitraum eingeplant werden. Bewährt hat sich dabei ein Applikationstermin zur beginnenden Vollblüte ab BBCH 63. Der optimale Zeitpunkt wäre jeweils nahe am Infektionstermin. Dies gestaltet sich in den Marschen häufig als schwierig, da sich die potentiellen Infektionstermine hier über 14 Tage erstrecken können. Die sicherste Möglichkeit, die Fusariuminfektionsgefahr zu minimieren, liegt daher vorrangig in der pflanzenbaulichen Vorsorge über die Art der Bodenbearbeitung (Pflug), die Vorfrucht (kein Mais) und die Sortenwahl (gering anfällige Sorten).

Abb. 3_Fungizidstrategie Winterweizen 2022
Abb. 3_Fungizidstrategie Winterweizen 2022Lüder Bornemann
Abb. 4_Fungizidstrategie Witerweizen 2022
Abb. 4_Fungizidstrategie Witerweizen 2022Lüder Bornemann

 

 

 

 

 

 

 

 

Die in der Abb. 3 und 4 aufgeführten Präparate sind bis auf Elatus Era und Univoq (jeweils 5 m) bei Einsatz einer Düse, die eine Abdriftminderung von 90% erreicht, bis auf den länderspezifischen Gewässermindestabstand einzusetzen (Länderregelung Niedersachsen 1,0 m). Denken Sie bitte auch an die neuen Regelungen zu Gewässerabständen, die sich aus dem Niedersächsischen Weg bzw. dem Niedersächsischem Wassergesetz ergeben. Für Pflanzenschutzmaßnahmen im Winterweizen ist zu Gewässern 1. Ordnung bereits jetzt ein Abstand von 10 m einzuhalten. An Gewässern 2. und 3. Ordnung greifen die neuen Regelungen erst ab 01.07.2022.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Septoriabekämpfung im Winterweizen weiterhin vor Herausforderungen steht, aber noch ausreichend gut wirksame Wirkstoffe zur Verfügung stehen. Dennoch müssen vorrangig pflanzenbauliche Maßnahmen ergriffen werden, um das Befallsrisiko bereits im Vorfeld deutlich zu reduzieren. Der Ausgangsbefall ist in diesem Frühjahr niedriger als im Vorjahr, das Witterungsgeschehen der kommenden Wochen wird jedoch über den weiteren Krankheitsverlauf entscheiden. Der Hinweisdienst und das Prognosesystem ISIP geben Informationen zum Infektionsgeschehen und den jeweiligen Infektionsverläufen der Erreger, ersetzen aber nicht die eigenen Beobachtungen im Feld. Vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzen ist bei den einzelnen Maßnahmen bestmöglich zwischen den Wirkstoffgruppen und auch innerhalb einer Gruppe zu variieren.

 

Neben den in den Artikeln bzw. Tabellen genannten Präparaten mit einer deutschen

Zulassung gibt es so genannte parallel gehandelte Pflanzenschutzmittel. Diese sind in einem

Mitgliedstaat der EU oder des EWR zugelassen, stimmen mit einem in Deutschland

zugelassenen Pflanzenschutzmittel überein und sind als parallel gehandelte

Pflanzenschutzmittel von der Zulassungsbehörde genehmigt. Eine Liste der verkehrsfähigen.

Parallelimporte ist im Internetangebot des BVL verfügbar.
 

Kontakte

Lüder Bornemann
M.Sc. agr.
Lüder Bornemann

Leiter Fachgruppe Pflanze, stellv. Leiter der Bezirksstelle

04761 9942-161

0152 5478 2366

  lueder.bornemann~lwk-niedersachsen.de


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